Familienauszeit in Chile
.... einfach sein


8.02.2020, La Campana/Chile - Jujuy /Argentinien

(Bilder folgen noch)


Vorgestern sind wir dann also, wie geplant, im NP La Campana, in der Nähe von Santiago, gewandert. Nach unserem ausgiebigen Badetag sind wir an diesem Abend noch bis zum nördlichen Eingangsportal des NP gefahren und haben direkt davor geschlafen, um gleich am Morgen wandern zu können. Leider war es dann 9:00 Uhr, als das Tor geöffnet wurde, schon sehr heiß. Vom Parkranger haben wir erfahren, dass leider ein sehr großer Teil des Parks abzusterben droht, da die Trockenheit weiter anhält. Außerdem wurden in der unmittelbaren Umgebung Hügel abgebrannt. Auf abgebrannten Land dürfen dann neue Plantagen errichtet werden. Also wachsen jetzt neben dem Park (schön grün, durch Tröpchenbewässerung) Avocados und Zitrusfrüchte. Das Wasser dafür wird dem nahen Aconcagua-Fluss entnommen, der am Ende als Rinnsal ins Meer fließt. Die anwohnende Bevölkerung hat keine Möglichkeit, Wasser zum Bewässern zu entnehmen, da Wasserrechte in Chile privat sind. Alle Wasserrechte wurden schon vor langer Zeit von einflußreichen Leuten gesichert. Also schickt die Landbevölkerung ihre Nutztiere (Kühe und Pferde) in den Park, damit sie überhaupt etwas zu fressen haben. Dafür werden regelmäßig Zäune durchgeschnitten. Auch junge Palmenpflanzungen, zum Erhalt des Parks, werden so zerstört. Die Tiere, die wir im Park gesehen haben, fressen junge Palmen ab und alles Grün, was noch an den Bäumen ist. Trotzdem finden sie kaum Wasser und Nahrung und sehen sehr traurig aus - man sieht jede Rippe. Zudem werden die kleinen Nüsse der Palme des nachts abgeerntet, um sie an die gut zahlenden Chinesen zu verkaufen, die den 4-fachen Preis bezahlen. Der sehr armen lokalen Bevölkerung ist es kaum zu verübeln, dass sie sich so ihr Überleben sichern. Die Plantagenbesitzer und auch die Verantwortlichen in den staatlichen Behörden stellen sich blind und taub und so wird nichts gegen das Sterben des Parkas getan. Es war also eine sehr traurige Wanderung.  Trotzdem war es toll, die schon alten Exemplare der chilenischen Palme wild wachsen zu sehen. Die Hitze war unerbittlich. Wir haben es nicht mehr ausgehalten und sind nach Abstimmung im Auto doch Richtung Andenpass Portillo gefahren, um auf 3900m etwas südlich vom Aconcagua die Anden zu überqueren und nach Argentinien zu fahren.

Auf der Fahrt sah man die vielen grünen Anpflanzungen an den sonst sehr trockenen Hügeln und - im starken Gegensatz dazu - sehr viele ärmliche Hütten im Umland.  
Hier ist der Neoliberalismus sehr präsent. Das machte uns traurig und wir sprachen viel mit den Kindern darüber.

 Der Pass selber war auch spannend. Mindestens 27 Kurven in Serpentinen bergauf und auf der argentinischen Seite gleich eine andere Vegetation und andere Landschaft. Es ging nicht so steil bergab, wie vorher bergauf und wir haben den fast 7000m hohen Aconcagua von der Straße aus gesehen. Leider war die Spitze in den Wolken. Am Abend kamen wir dann im ersten Ort auf der argentinischen Seite an und haben uns einen Campingplatz gesucht. Hier ist alles wieder so schön günstig. Leider war ausgerechnet dieser Camping sehr heruntergekommen. Aus diesem Grund sind wir am nächsten Tag auch gleich aufgebrochen, um weiter nach Mendoza zu fahren, wo wir uns Geld hinüberwiesen hatten (mit einer genialen App und zu einem tollen Wechselkurs). Die Abholung hat einwandfrei geklappt. In Argentinien ist der Betrag, den man am Automaten abheben kann, sehr gering und kostet trotzdem relativ viel und daher war dies die beste Lösung. Allerdings kann man in Cafés und Supermärkten immer auch kleine Beträge mit der Karte bezahlen. Das ist aber immer sehr zeitaufwändig.

In der Stadt wollten wir uns nicht weiter aufhalten und sind daher schnell wieder raus und weiter in den Norden gefahren. Auf der Fahrt allerdings sind wir fast geschmolzen. Die Außentemperatur war 41° C und der Wind war heiß. Selbst auf der Fahrt mit offenen Fenstern hatten wir das Gefühl, geföhnt zu werden. Später haben wir dann erfahren, dass der kühle Wind von den Bergen sich über der Pampa so aufheizt und es deshalb so warm ist. Es kann im Winter sogar passieren, dass in den Häusern 2 Grad sind und die Aussenluft 18 Grad warm ist.
Ein riesiges Eis unterwegs brachte keine Abkühlung. Darum sind wir im nächsten Ort dann kurz zum Abkühlen in eine Mall gegangen. Später sind wir weiter gefahren und am Abend in San José de Jachal angekommen. Es war schon dunkel und wir haben den Camping angesteuert, auf dem wir neben 3 Fahrradfahrern die einzigen Touristen waren. Der Campingplatz war ein herrlicher alter Olivenhain mit einem Swimmingpool, wo scheinbar tagsüber das halbe Dorf zum baden hinkommt. Das haben wir Gott sei Dank nicht erlebt, aber unsere Kinder da auch nicht baden lassen. In der Nacht sind wir dann erstmals von Mücken geplagt worden. Nach den Stichen zu urteilen, müssen es sehr viele gewesen sein und zum Morgengrauen hin wurde es immer schlimmer. Irgendwann war die Nacht  - Gott sei Dank - vorbei. Ein erholsamer Schlaf war das aber nicht.

Am nächsten Morgen war es wieder sehr heiß. An diesem Tag sind wir viel gefahren, denn so langsam wird uns die Zeit knapp. Kurz hatten wir überlegt, weiter in die Subtropen zu fahren, damit die Kinder noch ein paar Tiere zu Gesicht bekommen, das dann aber verworfen. In Chilecito (…das es so etwas in Argentinien gibt, ist unglaublich) wollten wir gerne etwas essen, aber irgendwie hatte alles geschlossen. Hier ist es so heiß, dass zwischen 13 und 19:00 Uhr alles geschlossen hat. Ab 18/19:00 Uhr beginnt das Leben wieder und dann meist bis 23:00 Uhr.  So lange wollten wir aber nicht warten und sind nach einem Eis (inzwischen schon Grundnahrungsmittel) weiter gefahren, haben an einer Tankstelle kurz noch einen Tüte Eiswürfel geholt, die zum Teil in der Kühlbox und zum Teil in den Getränken und Mündern direkt verschwand. Frank fühlte sich fit und am Abend war das Fahren einfach angenehmer. Deshalb ist er in die Nacht hinein gefahren, während wir uns schon schlafen legen durften. So richtig schlafen konnte man bei den Straßen allerdings nicht. Ständig wurde man hin- und her geworfen. Die Straßen werden immer von trockenen Bachläufen gekreuzt und da hat man hier beim Straßenbau einfach eine Welle in die Straße gebaut, damit das Wasser direkt quer über die Straße fließen kann, wenn es stark regnet. Es wären wohl einfach zu viele Brücken, die sonst gebaut werden müssten und dafür regnet es in dieser Gegend einfach zu wenig.

Auf dem letzten Campingplatz hatten wir zwei der Radfahrer kennengelernt. Sie kamen aus Dänemark und Jakob hat sie gleich mit dem Slogan: “Ich liebe Dänemark“ begrüßt. Die beiden waren schon fast 2 Jahre mit dem Fahrrad unterwegs. Sie sind in Indien gestartet und nun hier und wollen im Europäischen Frühsommer aber endlich wieder zu Hause sein. Die beiden sagten uns auch, dass es in vielen Gebieten sehr schwierig ist, genug Trinkwasser für die Fahrradtouren zu bekommen und so fahren wir nun immer mit 10l zusätzlichem Wasser für Fahrradfahrer umher, um bei Bedarf Wasser abgeben zu können.

Gegen Mitternacht ist Frank dann auf einen dörflichen Picknickplatz gefahren, der als Übernachtungsmöglichkeit ausgewiesen war. Leider war er hell erleuchtet und in der Nähe war eine Party im Gange. Die ganze Nacht haben uns wieder Mücken geplagt, aber die Fenster nicht zu öffnen, bringt auch keine Abhilfe, dann ist es einfach zu heiß im Bus.
Als wir am Morgen erwachten, waren um uns herum schon viele Leute auf dem Picknickplatz. Ein Putzteam und diverse andere Leute. Wir sind dann schnell und ohne auch nur auszusteigen auf die Vordersitze geklettert und wieder weiter gefahren.

An diesem Tag sind wir am Vormittag an Ruinen der Quillmes (Diaguita-Ureinwohner), die vor der Inkazeit hier eine relativ große Ansiedlung gehabt haben. Es waren ca. 6000 - 7000 Menschen, die in hierarchischen Strukturen hier Terassen gebaut und Ackerbau betrieben haben. Kurz bevor die Spanier kamen, wurden sie von den Inkas bezwungen und in das Inkareich eingegliedert. Nach vielen Jahren des Kampfes gegen die Spanier, wurden sie nahezu ausgerottet. Nur wenige konnten flüchten und heute gibt es keine reinen Quillmes mehr. Ihnen zu Ehren ist hier eine sehr verbreitete Biersorte benannt. An den Ruinen gab es auch ein Museum. Es war ein spannender Besuch.

Gegen Mittag sind wir weiter gefahren und haben unweit der Ruinen an einem kleinen Weingut halt gemacht. Dort haben wir eine interessante Führung bekommen und erfahren, dass es sehr unüblich ist, in dieser Gegend Wein anzubauen, weil es so trocken ist. Das Weingut wurde von einem Bauingenieur gebaut, der sich an Mesquitas in Mali orientiert hat. Der Weißwein fanden wir ganz lecker und haben uns ein paar Flaschen für 2,50€/Flasche mitgenommen. Auf dem weiteren Weg haben wir noch an einer Destillerie angehalten, die, einem Museum gleich, mit Antiquitäten vollgestellt war. Außerdem verkaufte der nette Besitzer dort Olivenöl seiner Familie aus Mendoza, dass uns sehr geschmeckt hat und wir auch hier zuschlagen mußten…. eine Flasche für die weitere Reise.

Später sind wir weiter nach Cafayate, in den nächst größeren Ort gefahren. Dort wollten wir wieder versuchen, etwas zu essen, obwohl wir schon wieder in der langen Mittagsruhezeit dort ankamen. Wir haben erst einmal die längst fällige Wäsche zum Waschen gebrachten dann an der touristischen Plaza eine Kleinigkeit gegessen. Hier z.B. haben wir sehr leckere Empanadas mit Ziegenkäse gegessen. In Argentinien ist es zu unserem Wechselkurs sehr günstig und man kann auch mal etwas essen gehen. Ein Hauptgericht kostet meist unter 5 €. Sehr viel günstiger als in Chile. 12 kleine Empanadas bekommt man auch für ca. 5 €. Das genießen wir im Moment sehr, bevor wir wieder in Chile sind und alles wieder viel teurer ist. Als wir wieder ins Auto steigen wollten, kam der nette Besitzer der Destillerie plötzlich aus dem Nichts auf uns zu und brachte uns unsere Kreditkarte hinterher, die ich offensichtlich dort vergessen hatte. Er hatte uns schon gesucht. Das hat uns echt umgehauen. Wir hatten noch nicht einmal bemerkt, dass wir sie vergessen hatten.  

Dann sind wir auf den örtlichen, sehr sauberen Campingplatz gefahren und haben uns geduscht, bevor wir 21:00 Uhr unsere Wäsche abholen durften und dann weiter Richtung Salta gefahren sind. Da die restliche Fahrt aber sehr schön sein sollte, haben wir nicht weit von Cafayate an einem Fluß geschlafen und sind erst am nächsten Morgen ganz früh weiter gefahren. Nach und nach sind auch die Kinder wieder erwacht. Wir sind durch ein herrlich zerklüftetes rote Sandsteingebirge gefahren. Leider war die Sonnen noch hinter Wolken. Es war toll. So muß es im Monument Valley auch mal ausgesehen haben.

Danach kamen wir in tiefere Regionen und damit wurde es immer grüner und immer üppiger. Die Pflanzen wurden tropischer. Es wuchsen Orleander, Bananstauden, Palmen und Vieles mehr. Die Besiedelung nahm immer mehr zu und schließlich kamen wir nach Salta.

In Salta haben wir dann als erstes und das erste Mal auf der gesamten Reise einen Arzt gesucht, denn an Freda Bein haben sich - quasi über Nacht - wassergefüllte Bläschen gebildet und wir wollten abklären lassen, was das war.  Der Arzt sagte uns, wir müssten dafür zum Kinderkrankenhaus und so sind wir ans andere Ende der Stadt gefahren und haben uns dort gemeldet. „Wunder“ hieß die Mutter und Kind-Klinik. Nach einer ersten Aufnahme wurde uns gesagt, dass wir mit einer Wartezeit von ca.2 Stunden rechnen müssten. Nach ca. 2,5 Stunden bekamen wir gesagt, dass es wohl ein Spinnenbiss sei, wobei die Kinderärztin keinen Schimmer hatte und bei einer anderen Ärztin Rat suchen mußte. Den Namen der Spinne konnte sie mir leider auch nicht sagen.
In in Argentinien wird man im Krankenhaus kostenlos behandelt. Die öffentliche Gesundheitsversorgung ist für alle zugänglich.
Am nächsten Tag waren nur noch wenige Bläschen übrig und die größte schon fast abgeheilt. Beim Googeln bin ich dann auch darauf gestoßen, dass der Biss von roten Ameisen solche Bläschen verursachen kann. Die Kinder hatten einen Tag zuvor mit Ameisen gespielt und es wird wohl eher dies gewesen sein, als ein Spinnenbiss.

Nach dem Krankenhausbesuch konnten wir dann Salta erkunden. Es war heiß und schwül und wieder waren alle Geschäfte schon geschlossen. In der Touristeninformation bekamen wir dann weitere gute Infos und vor allem auch gesagt, dass wegen der Regenzeit die Nationalparks im tropischeren Tiefland geschlossen seien. Man wusste hier auch welche Passstraßen nach Chile offen ist und dass die Kinder die Tiere ja auch im Naturkundemuseum ausgestopft bewundern könnten. Außerdem empfahl man uns auch das archäologische Museum, in dem die Mumien von 3 Inka-Kindern aufbewahrt und untersucht werden, die in den 90er Jahren vom 6739 m hohen Vulkan Llullaillaco geborgen worden waren.
Beide Museen haben wir heute besucht und beide waren toll. Die Tiere sind für die Kinder sowieso total interessant und auch der Einblick in die Inca-Kultur und deren Gebräuche war, zumindest für die beiden großen, auch sehr spannend.

Eine Fahrt mit der berühmten Eisenbahn „Tren a los Nubes“ haben wir aus Kostengründen nicht gemacht. Drei Stunden Eisenbahnfahrt, auf der vielleicht höchsten Strecke der Welt und über das wirklich spektakuläre Viadukt auf 4200 m Höhe, die manchmal wirklich über den Wolken fährt, hätte für uns alle 250 € gekostet und sehr wahrscheinlich wären wir von Wolken eingeschlossen gewesen.

Genächtigt haben wir dann wir auf dem Campingplatz von Salta, der eher das örtliche Schwimmbad mit Campingmöglichkeit zu sein schien - ein riesiger Swimmingpool (so groß wie ein See) und drumherum Stellplätze. Da es in der Regenzeit gewaltige Regengüsse gibt und gerade auch aktuell, waren viele mit ihren Zelten unter alle möglichen Dächer geflüchtet und sogar in den Eingang der Duschen und Toiletten wurde gezeltet. Beim Regenguss in der Nacht sind wohl auch viele sehr nass geworden. Wir waren froh in unserem Bus schlafen zu können. Nachdem wir zuvor aufwändig Fliegengitter an die offenen Fenster geklebt haben, um des nachts etwas kühlere Luft zu bekommen, mussten wir die Fenster in der Nacht dann doch wieder schließen, da wir sonst auch nass geworden wären. Es war zwar warm, aber in dieser Nacht haben uns keine Mücken geplagt. Das war schon Erholung! Der aufgeweichte Campingplatz am nächsten Morgen jedoch war nicht wirklich appetitlich und so haben wir uns beeilt, dort weg zu kommen.

Nach den Museumsbesuchen, einem Eis und einem Einkauf haben wir uns auf den weiteren Weg nach Jujuy gemacht, da wir nicht noch eine Nacht in Salta verbringen wollten. Als wir aus Salta herausfuhren, fuhren wir dunklen Wolken entgegen und schon bald begann es zu regnen. Der Regen wurde immer schlimmer und an einigen Stellen, begannen schon kleinere Bäche die Straße zu queren. An einer Stelle fielen Steine vom Abhang weiter oben auf die Fahrbahn und schließlich verkeilten sich unsere Scheibenwischer. So mußten wir erst einmal einen Stopp einlegen. Das war auch gut so, denn der Regen ließ nicht nach und es zog ein Gewitter über uns hinweg, das zuweilen (es war schon dunkel geworden) alles um uns herum erhellte. Als wir dann feststellen mußten, dass der kleine Wassergraben neben uns zu einem Bach angestiegen war und wir gar nicht mehr so weit davon entfernt waren, setzte Frank sich nicht ganz freiwillig wieder ans Steuer, um einen anderen Platz zum Übernachten zu finden. Wir hatten inzwischen beschlossen nicht weiter zu fahren. Die Straße sollte schmaler werden und auch sehr schön. Das wollten wir lieber bei Tageslicht fahren. Allerdings kamen uns bei unserer Suche nach einem anderen Platz überall Wassermassen entgegen, was den „dämlichen Teil“ der Besatzung im Auto leicht in Panik verfallen ließ. Letztendlich sind wir ein Stück zurück gefahren und haben, bei sehr eigentümlichem Krötenkonzert ein Plätzchen gefunden, an dem wir uns einigermaßen sicher fühlten.

Palguin bajo, 25.1.2020 incl. Fortsetzung
Palguin bajo, 25.1.2020
Einkäufe, die wir regelmäßig machen müssen konsumieren hier viel Zeit, da man weite Wege zurücklegen muss und die Straßen jetzt im Sommer mit den Urlaubern voll sind. Besorgungen in Villarica (1 Stunde entfernt von Pucon) brauchen auch schon einmal den ganzen Tag. So verging die Zeit des Campo-Hütens wie im Fluge. Wir haben mit Patricio, seiner Frau Kathy und der Schwägerin Jessica einen sehr schönen Ausflug auf den Cañi unternommen. Der Cani ist ein kleiner privater Park mit prächtigen Araukarienbäumen und einem herrlichen Ausblick auf 3 Vulkane, den Villarica, den Llanin und den Quatropillan. Danach waren wir alle wirklich geschafft.
Am letzten Tag haben wir dann 6 neue Reifen auf unseren Bus montieren lassen, um auch die nächsten Strecken gut zu fahren, schließlich sind wir selbst auch schon 10.000 km unterwegs gewesen. Frank hat derweil in Patricio´s Holzwerkstatt mitgearbeitet, wo gerade in einem Seminar ein Designstuhl ohne Nägel und Schrauben hergestellt wurde.
Jetzt hätte er auch gerne Festool-Werkzeuge. :-)

Am 17. Januar haben wir dann, morgens ein schönes Frühstück, für Barbara und Horst (Freunden von Franz und Julieta) gemacht, die mit dem Nachtbus aus Santiago kamen. Franz und Julieta mußten in Temuco noch ihr eigenes Auto aus der Werkstatt holen und kamen erst später. Anschließend haben wir wieder das Auto gepackt, die Cabaña geputzt und sind nach Chiloe aufgebrochen. Es war schon recht spät als wir loskamen und so sind wir an diesem Tag nur bis Puerto Octay am Llanquihuesee gefahren. Das ist ein kleiner, noch weniger touristischer Ort am nördlichen Ufer. Der Blick zum Vulkan von dort aus ist traumhaft und wir haben versucht, Empanadas zu bekommen, die nicht mit Fleisch gefüllt waren. Leider vergeblich. So haben wir aber den ganzen Ort mehrfach durchfahren und er gefiel uns immer besser. Wir haben dann im „Bavaria“ eine Kleinigkeit gegessen und sind an das Seeufer gefahren, wo wir uns schlafen gelegt haben. Wir wollten am Morgen einen herrlichen Ausblick haben. Das war leider ein Trugschluss. Die Wolken hingen tief über dem See und erst am Abend lichteten sie sich. Von der anderen Seeseite bekamen wir von Carolyn Bilder über der Wolkendecke mit Sonnenschein und herrlichen Ausblick auf den Osorno. Wir haben auf der Centinella-Halbinsel im See gefrühstückt und sind dann entlang des Sees gen Süden gefahren, über Frutillar und haben es am Nachmittag auf die Fähre nach Chiloe geschafft. Da war das Wetter wieder herrlich und von Chiloe aus konnte man die gesamte Vulkan und Bergkette parallel zu Insel  bis nach Chaiten sehen. Ein traumhafter Blick. Als die Fähre ankam, entdeckte Emil gleich einen Eisvogel, der zur Begrüßung direkt am Fähranleger auf uns wartete. Leider ist das Foto nur verwackelt.

Im Tourismusbüro wollten wir uns kurz einen Karte holen und infos zum Nationalpark. Ganz nebenbei haben wir von einer „Fiesta costumbrista“ dem traditionellen Sommerfest in Ancud erfahren und wollten da mal vorbeischauen.  Dort werden auf dem Rodeoplatz die Reitkünste der Huasos in einem Wettkampf bewiesen. Immer zwei Reister müssen einen Stier im Zaum halten. Dafür gibt es bestimmte Punkte, die erreicht werden können. Es sieht sehr schön aus, ist aber sowohl für die Pferde, die teilweise mit sehr großen Sporen angetrieben werden, als auch für die Stiere eine Tortur und ist in vielen teilen Chiles schon verboten. Dazu gab es einen Festplatz  mit Bühne und ganz vielen Fressbuden, wo es die traditionellen Gerichte gab. Empanadas, Sopaipillas (frittierter Teig), Schaf am Spieß, Fleischspieße, Fischgerichte und vor allem Curanto (in traditionelles Gericht auf Chiloe, wo Kartoffeln, Meeresfrüchte, verschiedenes Fleisch, Würstchen und verschiedene Kloßteigarten in einem Erdloch auf heißen Steinen gedämpft werden, alternativ gibt es das auch im Topf).

Wir haben lecker gegessen und das Bühnenprogramm verfolgt. Es war ein schöner Nachmittag.
Erst am Abend sind wir dann aufgebrochen, einen Übernachtungsplatz zu finden und sind zu einem sehr schönen Campingplatz an der Steilküste über dem Meer gefahren. Der Ausblick war toll. In der Nacht hat Frank als einziger, ein kleines Erdbeben von 4,5 auf der Richterskala bemerkt und gemeint jemand rüttelt an unserem Auto. Das es ein Erdbeben 40 km vor Chiloe war, haben wir erst später erfahren.
Am Morgen sind wir mit einem herrlichen Blick aufs Meer erwacht und später den steilen Pfad zum Strand runtergelaufen, wo die Brandung auf einige vorgelagerte Felsen trifft und man sehr schöne Steine finden kann, die man aber nicht mitnehmen darf. Das stand extra, unter Androhung von Strafe, auf den Schildern zum Pfad.

Die Aussicht war so schön, dass Frank und ich noch ewig hätten dableiben können. Die Kinder aber wollten los und an einen „Sand“-Strand. Wir sind an dem Tag noch zu einem Knoblauchfest gefahren, das aber weit weniger spektakulär war, als das Fest am Vortag in Ancud. Anschließend sind wir weiter zum Cucao - Nationalpark gefahren sind. Dort sind wir anderen Autofahrern einfach gefolgt und an einem herrlichen weiten langen Sandstrand gelandet, wo am Sonntag Nachmittag unzählige Auto standen und den herrlichen Tag verbrachten.

Am Abend nach Sonnenuntergang leerte sich der Strand allmählich und wir hatten Zweifel, ob wir da bei Dunkelheit überhaupt noch stehen durften. So fuhren auch wir zurück, hinter die Dünen, wo wir unser Nachtlager aufschlugen. Am nächsten Morgen - Gott sei Dank, ohne Tsunami (irgendwie waren wir auf das Thema gekommen und die Kinder hatten schon Angst bekommen hier am Strand zu schlafen) - sind wir erst mal zum Info-Center des Nationalparks gefahren, um uns über Wanderungen zu informieren (war am Vortag schon geschlossen). Leider hatten die Kinder wieder keine Lust wandern zu gehen und wollten lieber am Strand spielen. Es soll eine wunderschöne aber lange Wanderung an der Küste entlang geben. Wir haben dann versucht am Strand entlang die Strecke mit dem Auto abzukürzen, wurden aber an einem Flusslauf über den Strand daran gehindert, durch dessen Furt wir mit unserem Bus nicht getraut haben. Den Bus am Strand stehen lassen wollten wir auch nicht, da wir nicht wussten, wie hoch und wann die Flut kommt. Also haben wir noch den Strand genossen, um dann doch wieder zurück zu fahren und am selben Abend schon ein Stück Richtung Norden zu fahren, denn wir wollten noch nach Puerto Varas und Leonie, Christian, Santiago und Paula zu besuchen, die beim ersten Aufenthalt selbst nicht da waren.

An einem kleinen Camping haben wir dann übernachtet und sind am folgenden Tag schon früh gen Norden gefahren. Auf dem Weg dorthin haben wir noch in einigen Örtchen an der Ostküste halt gemacht, die auf Chiloe viel dichter besiedelt ist. Wir haben uns ein neues Stück Fischernetz für unsere Hängeablage im Bus besorgt und endlich eine Firma gefunden, die eigentlich nur Netze repariert. Sie haben aber auch neue Netze, um die alten zu flicken und haben uns das Stück sogar geschenkt. Selbst meinen Obolus für die Kaffeetasse der Angestellten wollte keiner annehmen, mit den Worten: “Wir arbeiten für die Fischereiindustrie und verdienen sehr gut.“ Die meisten Netze werden gar nicht in Chile hergestellt, sondern kommen aus Japan und werden in Chile nur repariert, falls dies nötig ist.

In Dalcahue (Dalca - hieß das Boot der früheren Ureinwohner; Hue - bedeutet Ort) haben wir dann ein wenig Handwerkskunst eingekauft und bewundert und noch einmal Fisch gegessen, bevor wir dann wieder zur Fähre gefahren sind, um später am Abend in Puerto Varas anzukommen. Dort hatten wir zwei schöne Tage bei den Hartmann/Gonzales´s und unsere Kinder haben ausgiebig das Spielzeug von Santiago und Paula bespielt. Endlich Kinder, mit denen sie deutsch reden konnten. Da ist auch das witzige Foto in der Sandwichbude entstanden, wo wir den Verkäufer kurz überfordert hatten, weil wir 9 Complettos (ähnlich wie HotDogs nur mit frischer Tomate und Avocado) brauchten.

Am Donnerstag, dem 23.1. sind wir am Vormittag wieder Richtung Pucon aufgebrochen, wo wir am späten Nachmittag auch auf Silke trafen. Das war besonders schön, dass wir uns in Chile noch einmal wieder treffen konnten. Zur großen Freude der Kinder kam auch Kurt am nächsten Tag überraschend nach Pucon bzw. Paguín bajo und wir haben zwei schöne gemeinsame Tage bei Franz auf dem Campo erlebt und waren u.a. auf einer kleinen, aber sehr schönen Walüng-Fería (Walüng - Zeit des Überflusses) mit leckerem typischen Essen und schönen Handwerkssachen, Konserven, frischem Gemüse und einem  Mini-Hochseilkletterparcour, den Emil dann noch (von einem Mapuche in Deutsch!) angeleitet durchlaufen hat.
Am Sonntag Abend sind Silke und Kurt wieder nach Santiago gefahren und wir mussten noch bis Dienstag im Süden ausharren, denn unser Bus brauchte noch einen neuen Keilriemen und eine Leitrolle für die Schiebetür. Am Dienstag wurde das, nebst Ölwechsel erledigt und dann ging es am Mittwochmorgen in aller Frühe in den Norden.
Es war eine langweiligen Fahrt auf der chilenischen Rita 5 und die Mautgebühren waren relativ hoch, weil wir hinten zweifach bereift sind, wurden wir als LKW eingestuft und mußten so meist das doppelte eines normalen PKW zahlen / pro 100km zahlten wir so ca. 6 €. Dafür haben wir die tollen Raststätten mit sauberen Toiletten und begrünten Fassaden unterwegs genossen. Am frühen Abend kamen wir dann in Rancagua bei Maria Eugenia an und haben viel, aber eigentlich viel zu wenig Zeit zum erzählen gehabt. Länger bleiben wollten wir aber nicht, da sie dienstlich am Donnerstag einen wichtigen Termin in Santiago hatte und am Samstag mit ihrem Sohn in den Urlaub fliegt.
Auch hier gab es einen keinen Hund „Bela“, den die Kinder sogleich begeistert drangsalierten. Auch ein kleines Schwimmbecken fand große Begeisterung, da die Fahrt in unserem Bus einem Saunabesuch gleich kam. Hier fehlt uns die Klimaanlage doch.

Am Donnerstag morgen sind wir dann Richtung Küste gestartet. Wir wollten ans Meer, weil es einfach zu heiß war. Wir sind nach Pichilemu gefahren, einem relativ beliebten Surferort. Dort haben wir Mittag gemacht und auch gebadet und sind dann weiter in den Norden gefahren, wo wir zur Isla Negra, dem Haus zu Pablo Neruda wollten. Dort kamen wir relativ spät an und wollten am nächsten Morgen gleich früh das Haus besuchen. Dafür haben wir uns ein ruhiges Fleckchen zum Schlafen gesucht, was in dieser Gegend nicht wirklich einfach ist. Auch an Campingplätzen mangelt es und die, die es gibt sind am Wochenende oft voll und laut.

Nach dem Besuch der Isla Negra sind wir nach Pomaire weitergefahren. In Pomaire wird traditionelles Tongeschirr hergestellt, das auf niedriger Temperatur im Lehmofen gebrannt wird. Wir haben Kleinigkeiten eingekauft. Der Lehm wird von den umliegenden Hügeln (die noch nicht mit Avocadobäumen bepflanzt sind) geholt und in selbstgebauten Öfen wird gebrannt bei 700 ° ohne Glasur. Früher hatte ich hier einmal 5 Tage bei einer Familie gewohnt, um Töpfern auf der Drehscheibe zu lernen. Leider war die Familie nicht zu Hause.

Abends sind wir weiter Richtung Nationalpark La Campana gefahren und haben dort einen Campingplatz gefunden, der allerdings nicht günstig war. Wir bekamen aber gesagt, dass wir am nächsten Tag noch bis 19:00 Uhr bleiben und das Schwimmbad benutzen. Das haben wir dann am nächsten Tag ausgiebig, sehr zur Begeisterung der Kinder getan. Dafür wird morgen gewandert!




Wanderung nach Segundo Corral, Neujahr und Puerto Varas

Am nächsten Morgen sind wir früh zur Fähre über den TagbauTagua-See gefahren.
Eine kleine Fähre geht hier ca. 3 oder 4 mal am Tag. Man muß ca. 1 h früher da sein, um mitzukommen. Das Wetter war herrlich. Auf der anderen Seite des Sees beginnt die neu gebaute Straße entlang des Rio Puelo, die später einmal bis Argentinien gehen soll. In diesem Gebiet habe ich vor vielen Jahren gearbeitet und Exkursionen gemacht, als es noch keine Straße gab. Damals haben wir die Wege per Pferd bzw. zu Fuß zurück gelegt. Ich habe tolle Erinnerungen daran. Heute ist man ganz schnell mit dem Auto fast an der Argentinischen Grenze. Die Straße geht bis kurz vor Segundo Corral, einem kleinen Ort, mit wenigen Bewohnern. Dort haben wir unser Auto geparkt und unsere Rucksäcke gepackt, um weiter hinauf in das Tal des „Arroyo Barrancas“ (Barancas Bach) zu wandern, wo Lolo und Esmerita wohnen.
Lolo ist einer der Bewohner, die damals mit unserem Projekt begonnen haben, im Tourismus zu arbeiten. Er hat ein tolles kleines Häuschen und einen Selbstversorgerhof mit Schafen, Kühen, Hühnern, Truthähnen und Gemüseanbau.
Von unserem Parkplatz am Ende der Straße bis zu Lolo wandert man ca. 2 Stunden. Lolo kam uns mit einem Packpferd abholen, da wir viele Lebensmittel eingekauft hatten, u.a. auch einen 20 kg-Sack Mehl, den wir nicht tragen konnten.  Gerade arbeiteten aber drei Ochsengespanne auf einem Teil der Strecke, um irgendwelche Pfosten zu transportieren und so wurde das Gepäck kurzerhand auf die Ochsengespanne gepackt und die Kinder durften die erste Strecke abwechselnd reiten. Weil es sehr warm war und uns die Pferdefliegen ärgerten, war es dann mit den Rucksäcken auf dem Rücken doch sehr anstrengend, den restlichen Weg zu laufen. Wir hatten für 2 Tage gepackt, weil wir mit 6 Personen dort nicht zu lange einfallen wollten.

Wir hatten tolles Wetter und die Kinder haben es von Anfang an geliebt. Freda hat gut aufgepasst, wie das Pferd gesattelt wird bzw. wie das Packpferd gepackt wird. Dann wurden die kleinen Truthahnkücken für die Nacht in den Garten geholt und gefüttert und die Schafe auf die Weide am Haus getrieben, auf der sie in der Nacht bleiben. Auch die beiden Hunde und die Katze wurden gefüttert. Außerdem hatte Lolo auch Rinder, die aber am Abend nicht zusammengetrieben wurden, sondern im Wald nahe des Hauses blieben.

So war noch einiges zu tun und erst bei Einbruch der Dunkelheit gegen 22:00 Uhr kamen wir dann zum Abendessen. Kartoffeln und Schafsfleisch.
Lolo und Meri pflegen im Haus auch den 90-jährigen Vater, der im Rollstuhl sitzt und immer herausgehoben werden muß, um ins Bett zu gehen oder auf der Ofenbank in der Küche Platz zu nehmen. Das ist für beide ziemlich anstrengend und die Aufgaben, die auf dem Hof anfallen, können immer nur von einem erledigt werden, weil einer immer im Haus beim Vater bleiben muß. Mit den Arbeiten, im Gemüsegarten und im Gewächshaus kommen beide kaum hinterher.

Am nächsten Tag war also für uns alle `Kartoffeln anhäufeln´ auf dem Plan. Mit Hacken bewaffnet sind wir mit Lolo zum Kartoffelacker gelaufen und haben angefangen die Kartoffeln auf dem ca. 1000 qm großen Feld zu häufeln. Die Kinder wollten alle helfen und haben gut mitgearbeitet, zumindest die, die eine Hacke erwischt hatten. Wir haben alle ganz schön geschwitzt und gesehen wie anstrengend es ist, alles mit der Hand zu bearbeiten. Nach einigen Reihen hatten wir alle (auch Lolo!) genug und sind wir dann nachmittags an den Fluss zum Schwimmen gegangen, da es sehr heissgeworden war. Lolo hat uns eine traumhafte Stelle gezeigt, an der auch ein schöner Wasserfall war und der Fluss durch einen kleinen Canyon kam. Das Wasser war eiskalt und die Strömung recht stark. Schon die Nähe des eiskalten Flusses war eine Abkühlung. Freda und Frank waren dann so mutig, ganz einzutauchen und durch den Fluss zu schwimmen. Anschliessend musste Frank auch noch die Kleinen auf dem Rücken über den Fluss auf die andere Seite bringen.
Nach der schönen Erfrischung ging es dann wieder auf den Acker, um noch mehr zu schaffen. Die Kinder haben sich derweil gut auf dem Gelände vergnügt und Emil hat ersatzweise ein Schlammbad im Ententeich genommen. Da war das Wasser schön warm.  Am Abend hatten wir ein Drittel geschafft und waren es auch selbst!  
Am nächsten Morgen bin ich ganz früh aufgestanden, um weitere Zeilen Kartoffeln abzuarbeiten, bevor die Sonne auf das Feld schien. Wir hatten uns am Vortag gut verbrannt und spürten unsere Arm-und Nackenmuskeln vom Häufeln. Etwas später kam Frank nach und die Kinder konnten ausschlafen. Das war bereits der 30.Dezember. Lolo und Meri haben uns gefragt, ob wir nicht Neujahr mit ihnen feiern wollten und so sind wir noch 2 Tage länger oben geblieben. Am Silvestertag wollte Lolo dann ein Lamm schlachten. Die Kinder sind auf die Weide gerannt und haben die kleinen Lämmer bedauert. Eines sollte an diesem Tag nicht mit den anderen auf die weiter entfernte Fläche getrieben werden.
So geschah es dann auch. Bei den Kindern gab es großes Geheule. Hilda kam mit mir wieder auf den Kartoffelacker, um Käfer einzusammeln. Die anderen waren beim Schlachten dabei. Freda und Emil aber etwas weiter weg. Jakob hat genau hingeschaut, hat aber auch dabei geweint. Beim Fell abziehen und ausnehmen, waren dann wieder alle dabei. Auch am Silvestertag ging es in die Kartoffeln und am Abendhaben wir relativ unspektakulär mit einem Gläschen Rotwein und einem frischen Stachelbeerkuchen ins neue Jahr gefeiert. Hilda hat es verschlafen. Die anderen haben wir kurz zum Kuchenessen geweckt, weil sie das so verlangt hatten. Ein richtiges Campo-Erlebnis halt, ganz ohne große Aufregung. Ein paar wenige haben dann noch über Funk Neujahrsgrüße  gesendet. Das Funkgerät ist immer angeschaltet, um wichtige Nachrichten zu erhalten. Man hört übrigens auch die Gespräche der anderen in der Umgebung mit.

Am Neujahrstag gab es dann das Lamm am Holzpflock. Es wurde über die Mittagszeit am offenen Feuer gegrillt und die Hitze war kaum auszuhalten. Dazu gab es unser Stockbrot, am Bambusstock. Das haben wir schon überall gemacht und es erfreut sich größter Beliebtheit. Paßt auch gut zu den ganzen „am Stock“ - Grillereien.

Nachdem ein beträchtlicher Teil, des Vortags geschlachteten Lammes gegessen war, haben wir dann am späten Nachmittag wieder das Pferd gesattelt und den Heimweg angetreten. Lolo hat uns den Weg zurück zum Auto gebracht und die Kinder durften wieder abwechseln reiten. Das ist hier im Übrigen alles völlig ungefährlich, da die Pferde so eingeritten werden, dass es keiner sonderlichen Reitkünste bedarf. Aber es war traumhaft schön. Einmal mußten wir ausweichen, denn es kam uns ein Quatrimoto entgegen. Das sind auch eher die Neuerungen, die die nahe Straße so mit sich bringt. In unmittelbarer Nachbarschaft von Lolo hat bereits ein Aussteiger aus Santiago Land gekauft. Hier allerdings kamen uns zwei schon ältere Bewohner des Tales mit einem neuen„Bekannten“  entgegen. Don Ricardo und seine Frau Norma hatten früher auch Absichten im Tourismus zu arbeiten. Jetzt sind sie allerdings auch zu alt und die Kinder wohnen alle nicht mehr bei Ihnen. So lassen sie sich von motorisierten Neuankömmlingen gerne helfen.

Im ganzen Puelotal hat mit der Straße, die vor kurzem gebaut wurde, ein Ausverkauf begonnen. Man sagte mir, dass entlang der Straße bereits jeden Tag Besucher kommen und fragen, ob sie hier Land kaufen könnten. Vielleicht wollen einige der wohlhabenderen Chilenen noch schnell Geld anlegen, da sie nicht wissen, was die Zukunft bringt.

Erst kurz vor der Abenddämmerung waren wir unten am Auto und die Kinder haben beim Abschied von Lolo alle geweint. Wir haben noch einen kurzen Halt bei Chechos Eltern gemacht, die ich von früher kannte und konnten hier mit frischem Quellwasser unsere Wasservorräte auffüllen. Da wir in der Dunkelheit keinen Campingplatz mehr fanden, weil wir einfach zu spät dran waren, sind wir bis zum Fähranleger gefahren, wo es wenigstens Toiletten gab. Dort haben wir den Kindern noch schnell in einem großen Topf die sehr sehr dreckigen Füße gewaschen und sind alle in unseren Schlafsack gekrochen. Als wir am Morgen erwachten, waren wir nicht mehr die einzigen vor Ort. Es hatte sich bereits eine kleine Schlange gebildet. Die Fähre kam pünktlich 8:00 Uhr und wir sind wieder über den TaguaTagua-See gefahren. Diesmal mit dem Ziel über Cochamó nach Puerto Varas zu fahren, worauf ich mich ganz besonders freute. Dort hatte ich bis 2004 insgesamt 4 Jahre gelebt.
Unterwegs haben wir in Cochamó einen alten Freund besuchen wollen, der Pferdetouren anbietet. Er ist aber gerade mit Touristen in den Bergen gewesen und so haben wir nur mit seiner Mutter und seinen Schwestern geplaudert, die dort jetzt ein Café betreiben. So konnten wir uns auch im Wlan einloggen und in der Zivilisation zurückmelden.

Auf dem weiteren Weg haben wir einen kurzen Stopp bei Richard und Pricilla in Ensenada eingelegt und sind dann bei herrlichstem Wetter mit tollen Blicken auf den Osorno, meinen Lieblingsvulkan und den Llanquihue-See weiter nach Puerto Varas gefahren, wo wir erst am Nachmittag ankamen.  Schon die Einfahrt in den Ort hat mir einen Kloß in den Hals getrieben. Es schien explodiert zu sein und war gar nicht mehr wirklich wieder zu erkennen. Am 2. Januar bei herrlichstem Sonnenschein waren die schwarzen Sandstrände so voll, dass man sich nach Mallorca versetzt sah. Mitte/Ende Dezember haben in Chile die Schulferien begonnen und somit waren auch sehr viele Urlauber in der Stadt.
Es war nicht leicht, mit unserem Bus einen Parkplatz zu finden. Die Kinder wollten bei der Hitze auch gleich baden und so haben sie mit Frank ihre Schwimmsachen gepackt und ich wollte eine Runde durch das Zentrum drehen und sehen, ob ich einen Bekannten treffen würde und welche Orte ich noch wieder erkennen würde…. Auch das war leider eine Enttäuschung. Alles schien aus den Nähten zu platzen, aber getroffen habe ich keinen. Vorher hatte ich noch kurz eine Freundin im Büro der Pumalin Stiftung getroffen, die dort arbeitet und die wir eh noch treffen wollten. Später kam dann auch Claudio in sein neues Café (sehr schick) und wir haben an diesem Abend bei ihm geschlafen. Vorher wollten wir noch mit den Kindern eine Runde drehen. Wir sind bei meinem alten Häuschen vorbeigegangen, das nun die Werkstatt und der Verkaufsraum meiner früheren Keramiklehrerin ist. Leider war es schon geschlossen.
Es wurde langsam dunkel und wir wollten noch fürs Abendessen einkaufen. 10 Minuten vor Supermaktschluß haben wir dann auf die Schnelle noch ein paar Kleinigkeiten zu Essen besorgt und sind zu Claudio gefahren, mit dem wir einen sehr schönen Abend hatten. Die Kinder mochten ihn auf anhieb, weil er immer zu Scherzen aufgelegt ist.

Am nächsten Tag wollte ich in Puerto Montt meine chilenische Telefonkarte wieder einsatzfähig machen, was leider mißlang. Dann sind wir auf den Fisch- und Handwerkermarkt gegangen und haben Fisch und diverse Kleinigkeiten gekauft, den wir am Abend bei Carolyn kochen wollten. Der Markt war ungewöhnlich leer. Es gab kaum frischen Fisch, nur tiefgefrorenen. Auf meine Frage dazu bekam ich die Antwort, dass die Fischer noch immer das Neujahr feierten (am 3.1.!) und erst nächste Woche wäre wieder mit Frischfang zu rechnen. Am Fischmarkt haben wir Seelöwen beobachtet, die es wohl gewohnt waren, Fangreste zu bekommen. Aus Mangel an Futter kam ein ausgewachsener Seelöwe die ca.20 m vom Meer zu den großen Mülltonnen empor gerobbt, holte sich etwas heraus, verschlang es und sprang dann zum Entsetzen der Beobachter selbst in die Tonne. Wir haben nicht abgewartet, bis er wieder herauskam, aber es schien die Fischer nicht sonderlich aufzuregen. Wir nahmen an, dass das öfter vorkommt.

Carolyn wohnt am Fuß des Calbuco-Vulkanes, der vor ein paar Jahren ausgebrochen ist und Ihr Haus und ihr Grundstück mit kleinsten Vulkansteinen überhäuft hat, die alle mühselig abtransportiert werden mußten. Sie hat aus ihrem kleinen aber sehr schönen Haus dort einen herrlichen Blick auf den Osorno. Auch hier haben wir die zum Verkauf stehenden Nachbargrundstücke inspiziert. Wir hatten einen schönen Abend und Vormittag und haben viel über Carolyn´s Arbeit in der Pumalinstiftung erfahren.

Zwei weitere Nächte haben wir bei Vania und Rene in Puerto Varas verbracht. Dort bekamen wir sogar extra den Hotpot geheizt. Das ist herrlich warm, wenn es abends kalt wird. Direkt im Wasser steht ein Ofen, der mit Holz beheizt wird und das Wasser erwärmt. Vania hat ein kleines Grillen veranstaltet und so haben wir noch mehr frühere Freunde gesehen. Auch Gaby und Mikel Fundihren Sohn Joaquin haben wir besucht.
Vania hat uns ihr Atelier gezeigt, wo sie Gravuren herstellt und Ecoprinting (Blätter auf Stoffe drucken) macht. Freda und Jakob durften sich selbst einen Abdruck von einer bereits fertigen Gravurplatte machen. Freda wollte von Vania gar nicht mehr weg. Sie wäre gern geblieben und hätte gerne weitere Kunstobjekte geschaffen. Vania malt, macht Mosaik, stellt Gravuren her, macht Ecoprinting, Patchwork, etc. Eigentlich ist sie Architektin. Wer einige ihrer Arbeiten sehen möchte: https://www.artelista.com/autor/vaniayunusic/list.html

Wir halten die Kinder übrigens immer wieder mal dazu an, selber zu schreiben. Der Wille ist auch da, zumindest bei Freda, aber die Zeit fehlt. Wenn wir Zeit haben, dann wird eher etwas für die Schule gemacht. Da hängen wir im Moment hinterher, denn unterwegs ist es immer schwierig zu lernen. Im Auto zu lesen oder in Bücher zu schauen, verursacht mir und den Kindern meist Übelkeitsgefühle und man verpasst ja auch viel Landschaft. Natürlich hängen auch im Bus Karteikarten, aber man gewöhn sich daran und vergißt sie zu beachten. Vielleicht bekommt Freda hier in Pucon, wo wir mal Zeit und ruhe haben, einen Text hin, den wir dann auch posten können.

Auch die Verständigung mit den Kindern von Freunden oder neuen Bekannten fällt ihnen nicht leicht. Spanisch lernen sie wenig, denn sie sind ja immer zu viert zum spielen und nicht darauf angewiesen. Englisch sprechen oder verstehen tut sich Freda bisher auch nicht leicht. Das ist wirklich schade, denn Kinder in einem ähnlichen Alter gibt es hier und einige sprechen auch gut Englisch.

Da wir am 6.1. zurück in Pucon sein sollten (Franz und Julieta wollten am 7. für 10 Tage in den Urlaub fahren und wir Haus bzw. Hunde hüten), haben wir uns am 6. morgens auf den Weg nach Pucon gemacht. Es war trüb und regnete. Von den Vulkanen war nichts zu sehen. Bei trüben Wetter oder Regen meint man wirklich, es gäbe sie nicht. Auf dem Weg haben wir in Osorno kurz halt gemacht, um für Lolo Besorgungen zu machen und diese dann einem Mann zu übergeben, der regelmäßig Waren nach Segundo Corral bringt. Er hatte Lolo kürzlich einen Warmwasserboiler für den Holzofen mitgebracht, aber irgendetwas stimmte mit dem Gewinde nicht und Lolo konnte ihn nicht anschließen. In dem Laden mußten die Verkäufer dann selbst bestätigen, dass wohl alle dieser Warmwasserboiler kein genormtes Gewinde aufwiesen - ein Herstellungsfehler. Das ist doppelt bitter, weil Umtauschen schlecht möglich ist und für Lolo der Anschluß so problematisch bleiben wird. Das ist Chile…. Nicht alles was man hier kaufen kann, ist auch funktionsfähig und die Verbraucherrechte werden hier auch nicht groß geschrieben. Irgendwie haben wir dann ein paar Anschlüsse gefunden, die sich wenigstens vier Umdrehungen in das Gewinde eindrehen ließen. Hoffentlich funktioniert es damit bei Lolo.
Sonst funktioniert dort die Dusche weiterhin so, wie wir sie vorgefunden haben: Ein großer Eimer in dem kaltes und warmes Wasser gemischt wird und ein Schöpfbecher. Dies alles findet in einem kleinen extra Holzhäuschen im Garten statt. Wir sind gut sauber geworden und warmes Wasser ist immer da, da ja den ganzen Tag über der Holzofen geheizt wird, auf dem auch gekocht wird.

Seit dem 6. sind wir nun in Palguin.bajo bei Pucon und sortieren uns erst einmal, reinigen das Auto, dichten es besser gegen Staub auf trockenen Schotterpisten ab, waschen Wäsche, Freda und Emil machen Schule und genießen es einfach nur, hier zu sein. Nach zwei sehr verregneten Tagen, scheint heute schon wieder die Sonne und es ist für mindestens eine Woche so angesagt.

Hildas Haut war übrigens nie so schlecht wie zu Hause im Sommer, aber bei Lolo, wo die Heuweiden hoch standen, wurde es von Tag zu Tag schlimmer. Es war gut, dass wir dann nach 3 Tagen wieder dort wegkamen. Ich bin gespannt, wie es hier ist, wenn nun die Sonne länger scheint. Ich habe bei Silke, die bald nach Chile kommt, schon neue Creme bestellt, weil die vom Kinderarzt verordnete Creme bald alle ist und ihr alle anderen Cremes weh tun. Bepanthen ist die einzige, die alternativ auch hilft.

Wir wünschen allen fleißigen Lesern ein frohes und friedliches neues Jahr 2020!

Hier kommt jetzt erst einmal der Bericht bis kurz vor dem Jahreswechsel. Die Bilder dazu sind schon länger im Netz. Irgendwie hatte es mit dem Text hochladen nicht so richtig geklappt. Der nächste Bericht ist in Arbeit und kommt in Kürze.



Rio Puelo, 28.12.2019

Von Coyhaique sind wir am Rio Simpson entlang gen Norden gefahren. Leider ist hier schon alles asphaltiert bzw. betoniert. Das an sich ist ja ok, aber die Straße wurde dafür mindestens doppelt so breit gemacht und oft ein noch breiterer Randstreifen abgeholzt. Man kann viel weiter einsehen und fährt schneller. Der Reiz, den die frühere Schotterpiste hatte, hat die Carretera dadurch leider nicht mehr. Aber es ist angenehm, dass bei schönem Wetter alles weniger staubt. Wir sind bis Villa Mañihuales gefahren. Dort wollten wir eine Pause machen und die Kinder konnten in einem neu angelegten großen Park auf aus Holz gebauten Fahrzeugen spielen und viel laufen. Diese Pausen brauchen wir immer sehr. Jeder Spielplatz ist willkommen. In einem kleinen Café haben wir erfahren, dass in der Turnhalle eine Weihnachtsaktion für Kinder stattfindet. Die Tochter des Hauses hat uns dahin mitgenommen und die Kinder sind noch eine Weile Hüpfburg und Trampolin gehüpft bevor es weiter ging. An diesem Abend sind wir bis Puerto Cicnes, einem kleinen Fischerort am Meer, gefahren. Erst haben wir versucht noch frischen Fisch zu kaufen, was uns nicht gelang. Alle „Pescaderías“ waren geschlossen und kein Besitzer zu finden. Am Spielplatz an der Plaza konnten die Kinder noch kurz Energie ablassen und wir dabei kochen und dann haben wir direkt vor dem örtlichen Gemeindeamt im Auto (draußen war es zu windig) unsere Suppe gegessen. Dann mussten wir uns einen besseren Schlafplatz suchen und haben dann schon im Dunkeln einfach am Straßenrand geschlafen. Am nächsten Tag sind wir sehr früh, mit noch schlafenden Kindern bis kurz vor Puyhuapi gefahren. Die Fahrt war herrlich, da es über einen Pass ging, der noch die alte enge Schotterpiste aufwies und immer wieder Blicke auf Gletscher frei gab. Danach - wieder am Meer - haben wir an einem Delfinaussichtspunkt kurz gefrühstückt und einen einzelnen Delfin gesichtet. Kurz vor Puyhuapi wo wir vor 12 Jahren schon einmal in heißen Quellen gebadet hatten, mußten wir nun feststellen, dass die aktuellen Neuerungen dort nicht mehr unserer Preisklasse entsprachen. In Puyhuapi hatten wir auch keinen wirklichen Grund anzuhalten und auch die Wanderung zum Qeulat-Gletscher haben wir verworfen, weil die Kinder keine Lust hatten und wir sie schon früher gemacht hatten. Die 40€ Nationalparkeintritt für uns alle haben wir uns so gespart und hatten so die Zeit am Nachmittag noch eine wirklich sehr schöne Wanderung bei Sonnenschein zum Yelcho-Gletscher weiter nördlich zu machen. Wir waren dort - bis auf zwei andere Wanderer - ganz allein. Der Weg führte durch sehr schönen urigen Regenwald, immer entlang eines Flusses, der von 3 Gletschern gespeist wurde, die man am Ende der Wanderung, von einem Aussichtspunk in der Nähe, sehen konnte. Die Kinder wollten endlich mal Schnee in der Hand haben und ein paar sehr alte Schneefelder lagen da ganz in der Nähe, also wurden noch ein paar Dämme über Flußabschnitte gebaut, damit man dorthin gelangen konnte. Diese Wanderung war zwar auch in einem Nationalpark, kostete aber nichts.

Anschließend sind wir nach Chaiten gefahren,  haben dort ein „Completo“ gegessen, eine Art Hotdog mit Avocado und Tomate.  

Da in Chaiten kein ordentlicher Campingplatz zu finden war, den wir mit unserem Bus befahren konnten, sind wir für die Nacht in den Nationalpark Pumalin gefahren, der auch von Tompkins erschaffen wurde.

Am nächsten Morgen haben Frank und ich die ausschließlich kalte Dusche im Park genutzt. Das war mal wieder nötig.  Dann wollten wir kleinere Wanderungen im Park machen. Die erste war als 2 h Rundweg zu einem Aussichtspunk ausgewiesen. Leider mußten wir erst 2 km Schotterpiste bis zum eigentlichen Wanderweg laufen, weil wir keinen 4-Radantrieb hatten und der Weg dorthin nur für 4x4 ausgewiesen war. Der weitere Wanderweg zum Aussichtspunkt war steil und wir mußten besonders Hilda immer wieder neu motivieren. Oben waren wir leider in den tief hängenden Wolken angekommen und hatten keine wirkliche Aussicht. Der Rückweg war schneller und am Ende fing es an immer stärker zu nieseln und gegen Mittag bzw. frühen Nachmittag regnete es sich richtig ein. Wir haben an einem Picknickort unsere Brote vertilgt und sind später an den Strand von Santa Barbara gefahren, um Delfine zu sehen. Dort haben wir dann auch geschlafen. Delfine haben wir keine gesehen, aber ein paar Seehunde, die sich dort tummelten. Da die Kinder, trotz des andauernden Regens, unbedingt noch an den Strand mußten, hatten wir das Vergnügen, nicht wirklich zu wissen, wo wir das ganz nasse Zeug im Bus zum trocknen aufhängen sollten. Irgendwie haben wir es dann geschafft und konnten schlafen.
Um uns herum waren noch ca. 6/7 andere Camper und es gab auch ein Häuschen mit Duschen und Toiletten und zwei Waschbecken für das Geschirr.

Am nächsten Morgen war es noch immer trüb, aber es regnete nicht mehr und so zogen die Kinder wieder an den Strand. Eine netten Dame aus dem Nachbarcamper ging mit ihnen mit.  Als wir gegen Mittag nach Chaiten fahren wollten, mußten wir sie vom Dammbau wegholen. Alle hatten mindestens nasse Schuhe. Es war der 23.12. und eigentlich wollten wir mit Sammy an diesem Tag seinen Geburtstag feiern und tatsächlich stießen wir später in Chaiten auf Sammy und seine Eltern, die für Weihnachten schon ein kleines Häuschen gemietet hatten. Wir haben uns wegen der vorausgesagten weiteren Regentage dann auch dafür entschieden einfach für 2 Nächte Chaiten ein Häuschen zu mieten und Weihnachten mit Kamin im Trockenen und Warmen zu verbringen. Das war die beste Entscheidung! So haben wir Weihnachten nach einer kurzen Wanderung um 3000jährige Alercen (Sumpfzypressen) im Pumalin Park dann schön in Familie verbracht. Unser Weihnachtsessen war eine schnelle Pizza (es gab einen Backofen) und eine kleine Weihnachtüberraschung für jedes Kind. Freda hat mit Weihnachtsmusik für die notwendige Stimmung gesorgt. Später haben wir Spiele gespielt und mit Deutschland telefoniert oder es zumindest versucht und später wurden wir von den Vermietern mit einem Sekt und Weihnachtsbrot überrascht. Den restlichen Abend haben wir dann noch mit Sammy und seinen Eltern ausklingen lassen.

Am 25. mußten wir unsere Cabañas wieder hergeben und sind wieder in den Pumalin Park gefahren. Wir haben noch eine sehr schöne Wanderung zu mehreren übereinander liegenden Wasserfällen gemacht, die auch abenteuerlich war, weil wir auf Holzstiegen am Felsen unter Wurzeln entlang steigen mußten. Der Regen hatte aufgehört und wir konnten den Regenwald in voller Pracht genießen. Es war total schön, bis auf Gerangel unter den Kindern, die immer alle ganz vorne laufen wollten. Leider verlangte der Weg eher Gänsemarsch und so mußte Frank den rebellierenden Vortrupp ordnen und im Zaum halten. Wir schliefen auf dem Camping im Park, der im Dezember noch kostenlos war. Ab Januar/Februar wird dort kassiert.

Am nächsten Tag, inzwischen dem 26.12. ging mittags unsere Fähre von der Caleta Gonzalo nach Fjord Largo und nach weiteren 10 km Schotterpiste von dort die 3,5 h Fähre nach Rio Negro/ Hornopirén. Leider hingen die Wolken immer noch tief, so dass die Aussicht nicht besonders schön. Außerdem war es kalt und so haben wir uns im Aufenthaltsraum aufgehalten, wo man leider wieder irgendwelchen gräßlichen Actionfilmen ausgesetzt ist. In Rio Negro haben wir Geld abgehoben und eingekauft und sind eine kleinere Küstenstraße (Schotterpiste) gefahren, um einen Übernachtungsplatz zu finden. Gerade war Ebbe und überall kamen Muschelsammler vom Strand mit Körben voller Muscheln (Miesmuscheln und Venusmuscheln und auch einigen Taschenmessermuscheln). Erst spät am Abend sind wir dann auf dem Agrocamping bei La Pola gelandet, wo unsere Kinder sogleich glücklich Hühner und Schafe inspizierten und die kleinen Küken halten durften. Wir haben wieder im Dunkeln Suppe gekocht und ein Gläschen Wein mit unseren Gastgebern getrunken. Die Hausherrin kam gerade vom Muscheln sammeln und gab uns ein paar Muscheln zum kosten für unsere Suppe.

Am nächsten Morgen (27.12.) waren die Kinder schon früh auf den Beinen und trotz stärker werdenden Regens mit Hühnern uns Regenwürmern beschäftigt. Wir haben mit den Hausherren ein Pläuschchen gehalten, schöne grüne Campo-Eier gekauft und das Gewächshaus inspiziert und dann sind wir weiter gefahren in Richtung Rio Puelo am Reloncavi Fjord entlang. Leider war diese Fahrt eine ziemliche Unterwasserfahrt. Die Wolken hingen tief und es gab recht wenig zu sehen. Im Wasser konnte man die zahlreichen Lachsfarmen und Muschelbänke sehen, die hier leider ziemliche Schäden anrichten. Die Lachsfarmen verunreinigen das Wasser durch überschüssiges Futter, Antibiotika und die Exkremente der Fische, die sich am den Meeresboden ansammeln.
Meist sind sie in ausländischer Hand und die Gemeinde hat kaum Einfluß, da die Gewässerrechte in Chile zentral verwaltet werden und privatisiert sind.
Die Muschelzuchten sind weniger dreckig, fangen aber einen Großteil der Muschelsamen ab und bringen sie aus dem Fjord, so dass der Bestand stetig zurück geht und damit auch die Wasserqualität abnimmt.

Gegen Mittag sind wir in Puelo angekommen und haben Azucena (Azu) überrascht und konnten diesen trüben Regentag in ihrem Haus verbringen. Azucena war während meiner DED-Zeit in Chile unser Counterpart in der Gemeinde Cochamo, da sie zu dieser Zeit für die Tourismusentwicklung zuständig war. Am Abend, als Azu von der Arbeit kam und hörte der Regen auf und die Sonne kam heraus. Azu´s Mann Checho hat uns ein leckeres Asado al Palo (junges Lamm auf einen Stock gespießt, gegrillt) bereitet. Die Kinder, besonders Emil waren begeistert. Wir hatten Stockbrotteig und Salate gemacht und haben so den Abend verbracht. Am Samstag erwachten wir bei herrlichem Sonnenschein. Die Wolken hingen noch in den Bergen, aber stiegen langsam auf und es wurde ein toller warmer Tag. Checho fuhr mit uns zu einem Projekt, wo er aktuell für einen Investor aus Santiago ein Stück Land parzelliert und ein Häuschen baut. Das Land befindet sich auf der anderen Seite des Flusses, an dem die Straße entlangführt und so hat er dort eine Hängebrücke gebaut. Über diese sind die einzelnen Parzellen nur zu Fuß zu erreichen. Es ist unweit von Puelo sehr idyllische gelegen. Alles Material für den Hausbau muß über den Fluß getragen werden! Checho kommt aus den Bergen und hat gelernt mit Holz umzugehen. Wirklich sehr beeindruckend. Es gibt noch Parzellen (ca. 1/2 Hektar, ca. 30.000€). Wer also investieren möchte….. Ein kleines schönes Holzhaus dort baut Checho dann für ca. 30.000 - 40.000€. Eine Wertsteigerung ist sehr wahrscheinlich. Hätte ich vor 20 Jahren hier oder in Puerto Varas Land gekauft, könnte ich es jetzt mindestens für das 5-10 fache verkaufen…..  Heute hat man hier das Gefühl, dass wirklich sehr viele wohlhabende Chilenen und Ausländer viele Grundstücke als Geldanlage oder Sommeranwesen kaufen.
Wer Interesse hat, kann uns gerne per WA kontaktieren.  Am Rio Puelo kann man herrlich Fliegenfischen und Wandern.

Coyhaique, Chile 19.12.2019

Die Fahrt nach El Chaltén war unkompliziert und alles asphaltiert. Ich erinnere mich an früher, als der Weg nur aus Schotterpiste bestand und wir ewig gebraucht haben. Leider hingen Wolken in den Bergen und wir konnten nicht das ganze Panorama bewundern. Am Ende wurden wir noch von der Polizei kontrolliert. Sobald man die Posten in der Ferne sieht, findet ein schneller Platzwechsel statt und dann sitz jeder auf seinem Sitz und ist angeschnallt. Sonst dürfen auch die Kleinen mal mit vorn sitzen oder im Bett liegen. Das ist alles unkompliziert.

Die Zeit verfliegt und wir sind ganz schön hinterher mit unseren Reiseplänen. Aber bisher war alles echt toll und was wir nicht schaffen, dass müssen wir halt irgendwann nachholen.

El Chaltén, wo die Touren zum berühmten Klettergipfel Fitz Roy starten, liegt sehr schön umgeben von Felsen und dadurch etwas windgeschützt. Leider war das Wetter echt kalt und trotzdem noch windig. Wir haben am Parkeingang übernachtet, wo viele Camper das gleiche tun und hatten uns für den 12. Dezember die Tour zur Basisstation des Fitz Roy vorgenommen, weil es der schönste Tag der Woche sein sollte. Wir sind sehr früh aufgestanden, brauchen dann aber immer für unser allmorgendliches Müsli, das Anziehen der Kinder und das Betten zusammen räumen einige Zeit. Außerdem mussten wir ja an diesem Morgen noch singen und gratulieren. So sind wir erst 8:30 Uhr auf unsere Tour gestartet. Es war ein blauer wolkenloser Himmel, aber es war sehr frisch und auf den oberen Gipfeln hatte es geschneit. Die Kinder und ich sind mit Tinka und Sammy (mit denen wir schon seit ein paar Tagen gemeinsam unterwegs waren)  dann mit kurz vor dem letzten, sehr steilen und damit anstrengendsten teil der tour umgekehrt, weil ein Parkranger unterwegs sagte es solle noch sehr windig werden und vielleicht regnen und die Kinder würden das sowieso nicht mehr hoch schaffen. Später fanden wir das sehr schade, weil die Kinder es gerne versucht hätten, aber da es so kalt war, sind wir langsam zurückgeschlendert und haben auf dem Weg nach unten ein Pärchen Riesenspechte beobachten können - el Carpintero Gigante. Das Männchen hat einen großen roten Kopf und das Weibchen eine hübsche abstehende Hutfeder. Es war sehr schön. Leider haben wir mit meinem Handy keine so tollen Fotos hinbekommen. Die Kinder waren dann so angefixt und sind ganz leise gelaufen, weil sie unbedingt einen Huemul (eine hier endemische und vom Aussterben bedrohtes Hirschart) sehen wollten.
Leider haben wir keines gesehen. Es waren auch wieder sehr viele Leute auf diesem Wanderpfad unterwegs. Frank, der es mit Tobias bis ganz nach oben geschafft hatte, hat dann aber auf dem Heimweg wirklich eines gesehen - für einen klitzekleinen Moment. Ein kleines Geburtstagsgeschenk. Er war vom Anblick am Gipfel beeindruckt und glücklich zurückgekommen. Später haben wir uns eine Dusche gesucht und sind Pizza essen gegangen, bevor wir dann wieder am Parkeingang übernachtet haben.

Am nächsten Tag ging es dann schon weiter gen Norden, wo wir dann einen Pass nach Chile nehmen wollten. Wir haben uns kurzentschlossen für einen südlicheren Pass entschieden, weil der so toll angepriesen wurde. (Diese Infos bekommen wir mit der App „iOverlander“, die super hilfreich ist und auch in anderen Teilen der Welt funktioniert)
Auf dem Weg, der berühmten Route 40, haben wir noch viele Guanacos und Ñandus gesehen und haben sogar ein kleines Guanaco aus dem Zaun gerettet. Die Tiere treffen entlang der Straßen und an den Grundstücksgrenzen überall auf Zäune und die kleinen schaffen es oft nicht über den Zaun, wenn sie in Panik vor einem Auto flüchten. Es hängen wirklich viele Guanacoskelette an den Weidezäunen entlang der Straßen. Das Kleine aber hatte Glück. Frank hat es gut gepackt, befreit und kurz festgehalten, damit wir alle es kurz streicheln konnten. Dann hat er es über den Zaum gehoben und es ist zu seiner Mamma gerannt - nicht ohne sich noch einmal umzuschauen. Vielleicht wollte es „Danke“ sagen. Das war ein tolles Erlebnis. Die Kinder waren - wieder einmal - begeistert.

Die Strecke in den Norden ist nur noch auf einem kleinen Stück Schotterpiste, aber sonst gut befahrbar, bis auf gelegentliche Schäden im Asphalt. Eine Tankstelle, mitten in der Pampa hatte dann auch wirklich keinen Diesel für uns und so sind wir mit dem letzten Tropfen bis zur nächsten Tankstelle gefahren.

Es war schon früher Abend, aber da es lange hell ist, haben wir uns entschlossen, weiter zu fahren. Wir sind bis Bajo Caracoles gekommen und haben uns dort einen Standplatz vor einer Herberge gesucht. Dort konnten wir die Toiletten  und die Duschen für einen  sehr geringen Obulus benutzen. Von dort aus wollten wir noch die „Höhle der Hände“ die "Cueva de los Manos“ besuchen, die sogar zum Unesco Welterbe deklariert wurde. Das war ein wirklich lohnenswerter Abstecher (obwohl nur Schotterpiste), weil er uns in eine tolle Schlucht führte, wo sich schon vor 8000(!) Jahren Menschen an den Felswänden verewigt hatten. Meist wurden die Hände im Negativ an die Wand gebracht, mitunter aber auch Jagdszenen und andere symbolische Zeichen. Die Kulisse war wirklich Filmreif und wir hatten gleich Pläne, was wir aus dieser einstigen Estancia machen wollten. Später haben wir dann erfahren, dass auch diese Gegend schon von Tompkins und seiner Foundation für Flora und Fauna für erhaltenswert erachtet worden war. Er hat das ganze Tal gekauft und nun werden weitere Funde analysiert und sichergestellt, bevor man diese herrliche Schlucht weiter dem Tourismus freigibt. Es gibt auch eine dazugehörige Estancia im Tompkins-Stil. Sehr schön, aber ganz schlicht und sehr praktisch für den Reisenden.

Wer Douglas Tompkins nicht kennt, der kann ihn gerne googeln. Er ist vor 4 Jahren leider hier am Lago General Carrera bei einer Kajaktour gekentert und dann an Unterkühlung gestorben. Zuvor hatte er, ursprünglich Gründer von "The North Face" viele Firmenanteile verkauft und in Chile und Argentinien Land gekauft, um Fauna und Flora zu schützen. Zusammen mit seiner Frau hat er riesige Parks hinterlassen, die ganz besonders schön sind und eine tolle Infrastruktur haben. Im Pumalin Park werden wir vielleicht Weihnachten verbringen.

Von dort sind wir dann zum Roballo Pass aufgebrochen. Ich hatte vorher noch nie etwas von diesem Pass gehört. Er führte durch eine wunderschöne, auf der argentinischen Seite , von Landwirtschaft geprägte Landschaft. Leider pfiff der Wind überall unerbittlich. Wir haben uns spät am Abend an einen kleinen Bach gestellt. Die Kinder sind schon abgehärtet und freuen sich auf jeden Halt und der kalte Wind stört sie dann herzlich wenig, draußen zu toben. Wir haben im Bus gekocht und gegessen und uns dann schlafen gelegt. Kurz vorher haben wir noch zwei Füchse am Auto vorbei laufen sehen. Leider wurde kein Puma gesichtet, Das ist der große Wunsch der Kinder seit sie von einer Führerin im Torres del Paine gehört haben, dass man früh morgens und abends schon gelegentlich einen Puma zu Gesicht bekommen kann, der auf Guanacojagd geht.

Die Passkontrolle auf beiden Seiten was sehr angenehm und wir durften unsere spärlichen Essensreste sogar behalten. Das geht nur bei einer One-Man-Show an der Grenze. Sobald es mehrere sind, trauen sie sich nicht, so etwas durchgehen zu lassen.

Auf der chilenischen Seite begann dann schon sehr schnell der Patagonia Park, der erst vor ein paar Jahren durch Tompkins und den Conservation Trust geschaffen und vor über einem Jahr an die chilenische Conaf-Behörde übergeben wurde. Auch hier im Park ist der Schutz der Fauna und Flora maßgeblich, um die Schäden an diesen, verursacht durch die frühere große Estancia und zu dichte Beweidung durch Schafe, auszugleichen. Vor allem wurden alle Zäune auf dem Gebiet sofort entfernt und nun die Guanaco-, die Puma, die Huemulpoblation und viele seltenen Vogelarten beobachtet und geschützt. Besonders Pumas und Huemules sind vom Aussterben bedroht. Die Landschaft ist wirklich traumhaft schön! Wir sind dann  schon gegen Mittag direkt auf den ersten Campingplatz gefahren und wollten dort etwas essen. Die Anlagen und der Windschutz waren eine Wohltat. Wir hatten unsere Eier über die Grenze gerettet und nun gab es, sehr zur Begeisterung der Kinder, Pfannekuchen. Außerdem konnten wir sämtliche Wasserkanister mit frischem gefilterten Bergbachwasser füllen. Dann haben wir eine kurze Wanderung über eine Schotterpiste zu einem sehr beeindruckenden Aussichtspunkt gemacht. Den ganzen Weg über haben die Kinder gehofft, Tiere zu sehen, aber das Laufen auf Schotter ist nicht wirklich leise und so auch nicht besonders schön. Mit einem 4-Rad-Antrieb hätte man bis hoch zum Aussichtspunkt fahren können. Deshalb der Schotter.

Danach sind wir zurück und haben beschlossen auf dem Campingplatz zu übernachten. Alle hatten nach 2 oder mehr Tagen eine Dusche nötig. Am nächsten Tag sind wir weiter talabwärts gefahren und hinter jeder Biegung erwarteten uns eine neue wunderschöne Kulisse. Es waren unzählige Guanacogruppen unterwegs und wir haben beobachtet, dass diese auch Wachposten aufgestellt hatten, die der Gruppe verdächtige Objekte sofort mitteilten. Auf der Strecke trafen wir auf professionelle Filmleute im Park, die eine Netflixproduktion über Nationalparks in der ganzen Welt drehten. Die Serie wird leider erst in 2-3 Jahren zu sehen sein, aber auch sie waren begeistert von diesem schönen Park.

Nach einer Frühstuckspicknickpause an einem kleinen See fuhren wir weiter zur Parkadministration, um uns über mögliche Wanderrouten zu informieren. Leider waren einige Wege noch nicht frei gegeben und andere zu lang für uns mit den Kindern. Wir haben die Conaf-Angestellten in der Administration Löcher in den Bauch gefragt zu Huemules, Pumas, Guanacos, etc. und sind dann in das angeschlossene kleine, aber sehr spannende interaktive Museum im Park gegangen und hätten uns wohl ewig dort aufhalten können. Es thematisierte die Weltbevölkerung, den Klimawandel, das Artensterben, die Entstehung und Entwicklung des Parkes und vieles mehr. Es war wirklich toll. Außerdem lagen in einem Leseraum ganz viele tolle Bücher und Bildbände aus, die auch zu diesen Themen existierten und zu einem großen Teil auch von dem selben Conservation Trust bzw. den
zugehörigen Stiftungen in Auftrag gegeben wurden.

Später sind wir noch einen kleinen Trail um die Administrationsgebäude, den Campingplatz gelaufen, haben den kleinen Friedhof besucht, auf dem auch Tompkins begraben ist und haben uns die kleine Gemüsegärtnerei angesehen, die dazu gehörte und die das ganz Jahr über Gemüseproduzierte und den Anwohnern verdeutlichen soll, dass dies hier in Patagonien möglich ist. Sogar Erdbeeren wuchsen dort und Grünkohl, den Franz schon so lange in Chile vermisst! Da im Moment wenig Gäste im Park waren, durften wir uns sogar ernten, was wir wollten (außer Erdbeeren, denn die waren fürs Weihnachtsmenü gedacht). Der Gärtner war sehr aufgeschlossen und hatte in den USA studiert und die Arbeit machte ihm offensichtlich sehr viel Spaß.

Dann war es leider schon wieder recht spät und wir wollten unbedingt noch Wäsche zum Waschen nach Cochran bringen und dort noch etwas fürs Abendessen einkaufen, denn alle Vorräte waren aufgebraucht und wir alle hungrig, vor allem aber unser leerer Tank.

Wir sind aus dem Park  dann das erste tolle Stück Careterra Austral am Rio Baker entlang nach Cochran gefahren. Es ist doch noch nicht alles betoniert. Juhu!
Dort haben wir schnell alles erledigt, kurz das schlechte aber freie Wifi-Netz an der Plaza genutzt und sind dann, auf Drängen der Kinder wieder die 20 km zurück in den Park gefahren, weil sie gehört hatten, dass um den Campingplatz gelegentlich Pumas unterwegs seien.

Wir kamen in der Dämmerung dort an und alle richteten ihre Adleraugen auf die Felsen und die Wachaufsicht der Guanacos, ob da Warnzeichen gegeben werden. Und es war wirklich unglaublich, aber als wir ganz kurz vor dem Campingplatz waren, haben wir sehr wachsame Guanacos gesehen, die alle in eine Richtung schauten und ihre Warnrufe verlauten ließen. Frank hat dann den Puma entdeckt, der ca. 50 m von uns entfern im Gras lag und recht gelassen zu sein schien. Wir haben angehalten und einfach abgewartet. Später haben wir dann noch zwei weitere Pumas im Gras entdeckt und alle waren ca. 2 m entfernt von dem Pfad, den wir am Nachmittag noch mit den Kindern gelaufen sind. Wir haben Beweisfotos und Videos gemacht. Leider ist der Zoom unserer Kamera nicht wirklich gut und so haben wir keine sehr nahen Aufnahmen. Alle waren hellauf begeistert und als es fast dunkel wurde und die Pumas außer Sichtweite waren, sind wir weiter zum Campingplatz gefahren und in Gruppe zum Toilettenhäuschen gelaufen. Vorher hatten wir noch zwei Stinktiere über unseren Weg laufen sehen.

Tags darauf sind wir wieder nach Cochrane, haben unsere Wäsche abgeholt und wollten eigentlich gleich weiter, trafen aber dann noch einmal ganz zufällig Tobias, Tinka und Sammy und mußten uns  erst einmal über die vergangenen Tage austauschen. Am späten Nachmittag sind wir dann weiter in Richtung Norden gefahren. Das Wetter war nicht so toll und in Caleta Tortel war nur Regen angesagt, weswegen wir einen Abstecher von 100 km in den Süden doch verwarfen und uns gleich auf den Weg in den Norden machen wollten. Eigentlich wollten wir schon viel weiter im Norden sein.

Im Regen sind wir noch bis zum Lago General Carrera gefahren und haben dort auf einem Camping übernachtet. Von dort aus ging es dann nur ein kleines Stück südlich am See entlang Richtung Osten. An einer Baustelle mit voraussichtliche Wartezeit von 40 min. sind wir dann doch lieber wieder umgedreht, da wir nicht vor hatten, bis Chile Chico zu fahren. Wir sind am Vormittag bis Puerto Rio Tranquilo gefahren. Die Kinder hätten dort gern die Marmorhöhlen besucht, die man nur mit dem Boot erreichen kann. Frank und ich hatten diese Tour schon früher gemacht und erinnern uns noch gut, dass wir vor Angst zu kentern damals im Boot Seemannslieder mit den übrigen Gästen gesungen hatten. Auch jetzt war der Wind stark und die Schaumkronen auf dem See verrieten den Seegang. Wir haben den Kindern erklärt, dass wir aus diesem Grund diese Fahrt nicht machen wollten. Das Wasser des Sees ist eiskalt und eine Unterkühlung wäre das Mindeste, wenn man kentert.

Hier mußten wir eine längere Pause einlegen, weil auf der weiteren Strecke Bauarbeiten waren und diese immer Wochentags von 13-17:00 Uhr gesperrt war. Später sind wir dann weiter bis Cerro Castillo und Puerto Ibanez gefahren, wo wir in der Nähe eines beeindruckenden Wasserfalles unser Nachtlager aufschlugen. Es war wieder spät und wir wollten noch kochen.

Jetzt sind wir schon in Coyhaique. Vorhin waren wir noch kurz im Zentrum, um Besorgungen zu machen und sind dann eine Kleinigkeit essen gegangen. Wir waren entsetzt, als wir das Lokal verließen. Es hatten wieder kleinere Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei gegeben. Auf der Straße lagen verkohle Kartonreste. Offensichtlich waren sie an unserem Bus vorbeigezogen. Wir saßen gegenüber in einem kleinen Laden und haben das nicht bemerkt. Zu unserem großen Glück haben wir keinen Schaden am Bus feststellen können, was wir vielleicht der Mapuche Fahne zu verdanken haben, die immer noch im Fenster hängt oder eben einfach auch dem Umstand, dass der Bus schon in die Jahre gekommen ist und kein Hassobjekt für die Demonstranten darstellt. Die Kinder wollten ganz schnell raus aus der Stadt. Wir haben aber keinen passenden Standplatz für unseren Bus gefunden und so stehen wir jetzt mitten in der Stadt, in einer sehr ruhigen Straße am Parkplatz der Uni Aysén und nutzen deren kostenloses WLanNetz.

Alle schlafen schon lange uns es ist schon nach Mitternacht und mir fallen die Augen zu. Deshalb kann ich jetzt keine Fotos mehr hochladen. Ich hoffe, wir schaffen das noch morgen früh.

Wir wünschen Euch schon einmal allen ein schönes und friedliches Weihnachtsfest!

El Calafate / Argentinien, 9.12.2019
Jetzt haben wir endlich wieder Internet und können Euch neue Berichte und Bilder posten. Ich weiß gar nicht richtig, wo ich anfangen soll.
Von Rada Tilly aus sind wir weiter südlich etwas ins Landesinnere gefahren und haben uns im Nationalpark Bosques Petrificados de Jamarillo versteinerte Bäume angesehen, an den schon die Dinos einst geknabbert haben könnten. Sie sind an die 150 Mio.Jahre alt und die Vorgänger der heutigen chilenischen Araukarie. Mit der Entstehung der Anden und der damit verbundenen starken vulkanischen Aktivitäten wurden die Bäume von Asche bedeckt und konserviert. Später vom Meer bedeckt, drangen Sedimente ein und über die Jahrmillionen sind in die organischen Fasern Silikate eingedrungen, die so versteinert ein perfektes Abbild der früheren Bäume abgeben. Heute entleeren sich die Wolken, die sich über dem Pazifik bilden, über den Anden und die durchschnittliche Wassermenge in dieser patagonischen Steppe beträgt nur noch 200 ccl./m2. Hier wachsen heute nur noch niedere Steppenpflanzen, die Wind und Trockenheit trotzen.
Es ist sehr beeindruckend wie riesig diese versteinerten Zeugen der Vergangenheit sind. Viele sind da sicher auch noch gar nicht entdeckt. Es gibt keine aktiven Ausgrabungen. Die Gegend ist fast nicht besiedelt und dementsprechend viele Nañdus, Guanacos und auch den Graufuchs haben wir gesehen. Das war unser 1. Advent.

Von Jaramillo aus sind wir wieder an die Atlantikküste und weiter gen Süden gefahren und haben auf dem Campingplatz in San Julian übernachtet. In ganz Patagonien ist ein starker Wind immer Begleiter. Das macht das Kochen auf der Kochstelle, die man hinten aus dem Auto ziehen kann, schwierig. Zum Glück können wir im Auto den Tisch aufbauen und alle drumherum sitzen. Bei viel Wind kochen wir meist im Auto auf unserem 2-flammigen Gaskocher.  Auch das Fahren bei diesem Wind ist sehr anstrengend, da man immer gegenlenken und auf Böen aufpassen muss.  

Am nächsten Tag (2.12.) sind wir weiter nach Santa Cruz gefahren und wollten dort vielleicht einen Abstecher in den Nationalpark „Monte Leon“ machen. Es war Montag und leider war das Tourismusbüro ohne Grund geschlossen. Man sagte uns, dass es in der Nähe eine Pinguinkolonie geben sollte. Da diese Kolonie  hinter dem Hafen lag und nur bei Ebbe zu erreichen ist, haben wir nach Abspräche mit der Hafenmeisterei die Nacht in Santa Cruz verbracht, um pünktlich um 10 Uhr am nächsten Tag am Hafen zu sein. Dort wieder angekommen wurde uns dann aber doch mitgeteilt, dass man einen Guide braucht damit man durch das Hafengelände kommt, um dann weiter zur Kolonie zu wandern. Wir also wieder zurück nach Santa Cruz ins Tourismus Büro, um einen Guide zu bekommen. Das Büro war an diesem Tag offen, aber für einen Guide muss immer erst eine individuelle Versicherung abgeschlossen werden, was immer nur für den darauffolgenden Tag möglich gewesen wäre. Nachdem wir auch in der Nationalpark-Verwaltung im Ort kein Erfolg hatten und Frank auch keine Lust mehr hatte, noch eine Nacht in Santa Cruz zu verbringen (hier war der Hund begraben und sonst wirklich nichts zu tun), sind wir auf gut Glück zum Nationalparkeingang gefahren.

Da die Wege in den Park wegen Regenfällen in der vergangen Nacht nicht freigegeben waren, haben wir uns entschlossen, weiter zu fahren und eine noch größere Pinguinkolonie am Cabo Virgen (letzter Leuchtturm vor Feuerland und direkt an der Maggelanstraße) zu besuchen. Die Fahrt dahin verlief erst ganz gut, aber dann haben wir ca. 4 h für 120 km Schotterpiste gebraucht. Am Ende waren alle sehr erschöpft. Vor Ort angekommen war es schon fast dunkel und unglaublich windig. Wir wurden schon von den ersten neugierigen Pinguinen begrüßt, die direkt neben uns ihre Höhlen unter den niedrig wachsenden Büschen hatten. Das hat die Kinder schon total begeistert. Wir haben uns in den Windschatten des leer stehenden Parkrangerhäuschens gestellt und haben dort noch spartanisch verbleibende Reste vertilgt und uns gleich schlafen gelegt. Die Pinguine waren noch lange sehr laut, aber wir waren zu kaputt um uns davon stören zu lassen und haben gut geschlafen. Am nächsten Morgen ganz früh kamen die Pinguine sogar bis zum Auto schauen. Die Sonne schien, aber kalter Wind blies trotzdem. Wir haben im Bus unser Müsli gegessen, uns dick angezogen und haben uns unter die Pinguine gemischt, die schon wieder hungrig nach ihren Partnern riefen. Sehr witzig war es, dieses Treiben zu beobachten. Ein Parkranger war weit und breit nicht in Sicht und die beiden Informationshäuser geschlossen. Wir haben unserem Rundgang auf dem angelegten Pfad gemacht und die aufgestellten Tafeln gelesen. Leider lagen auch ein paar tote Pinguine dort herum, die entweder von Möwen angegriffen worden waren oder die vielleicht verhungert sind, weil der Partner nicht vom Fischfang zurück gekehrt ist. Es war unglaublich. Es müssen hunderttausende Magelanpinguine gewesen sein, die in diesem riesigen Gebiet  entlang der Küste ihre Nester hatten. Wir haben auch kleine Küken gesehen, die von den Eltern sehr energisch bewacht wurden.  

Die Rückfahrt war dann wieder anstrengend und wir haben diesmal in Rio Gallegos übernachtet und noch Besorgungen gemacht, um dann wieder gen Westen nach Chile in den Torres Del Paine Nationalpark zu fahren.

In Santa Cruz hatten wir Wäsche waschen lassen, drei große Körbe für 450 Argentinische Pesos (ca.7€). Herrlich, dann nach schon 4 h die gefaltete Wäsche zurück zu bekommen. Der Betreiber dort war sehr nett und wußte ziemlich viel zu erzählen.

Wir sind gegen 17:00 an der chilenischen Grenze angekommen und sind am gleichen Tag noch weiter in den Nationalpark Torres del Paine gefahren. Leider hatten wir vergessen in dem kleinen Lädchen direkt hinter der Grenze neue Lebensmittel einzukaufen. Nach Chile darf man ja so gut wie keine frischen oder getrockneten pflanzlichen Produkte einführen und wir hatten kaum noch etwas frisches dabei, auch kein Brot.

Auf dem weiteren Weg zum Park konnte man nichts mehr einkaufen und so haben wir auf die kleinen Kioske im Park gehofft. Leider mußten wir dann feststellen, dass im Park alles mindestens 3x so teuer war, wie es im restlichen Chile eh schon ist. Es gab aber auch nur Kekse, Chips und ähnliches, aber keine Grundnahrungsmittel.  Wir haben von unseren Nudelvorräten (die durften wir einführen) gezehrt. Der Eintritt in den Park ist zwar relativ teuer (ca. 30€), aber die Kinder mußten nichts bezahlen und man darf mind. 3 Tage drin bleiben. Wir wurden nie kontrolliert und hätten auch länger bleiben können. Mit einem Camper darf man an den Informationshäusern im Park auch kostenlos übernachten und die Toiletten dort nutzen. So hatten wir für die erste Nacht einem tollen Platz mit Blick auf die Hörner (siehe Bild). Die Kinder haben noch in der Abendsonne am See fangen gespielt. Wir waren ziemlich allein dort. Es war wirklich schön.
Am nächsten Morgen begann es aber schon bald regsamer zu werden und wir haben uns, nach Müsli und Kaffee, auf die Socken gemacht. Zuerst wollten wir den Grey-Gletscher bzw. den See davor mit dem Treibeis besuchen. Der Gletscher selbst liegt eine Tageswanderung weit von einem Weg entfernt. Dort haben wir die erste tolle Wanderung gemacht und die Kinder waren begeistert. Das Blau des Eises ist wirklich bei jedem Wetter unglaublich intensiv. Man möchte immer nur Fotos machen, die aber gar nicht wirklich den eigentlichen Zauber einfangen können. Vor Ort ist es noch viel beeindruckender als auf den Fotos.

Nach der Tour haben wir die letzten Picknickreste im Bus verzehrt und uns auf die Schotterpiste im Park begeben. Auch wenn ich das alles schon kannte, es ist immer wieder so atemberaubend. Einfach herrlich! Man kann sich gar nicht satt sehen. Das Blau der Seen im Park ist bei jedem Wetter türkis. Über den Bergkämmen kann man noch Gletscher hängen sehen und überall sieht man Guanacos. Das Wetter durchwachsen, aber trocken und wir haben noch eine Wanderung vom Wasserfall bis zu einem Aussichtspunkt zu den Cuernos (Hörnern) gemacht. Wir haben teilweise gegen wirklich sehr starken Wind gekämpft und die Kinder gut festgehalten. Kurz vor Rückkehr zum Parkplatz kreuzte dann eine Herde Guanacos unseren Weg. So nahe waren wir den Tieren noch nie. Es war toll und Hilda bekam sogar ein wenig Angst.  Danach waren wir alle kaputt und hungrig und haben uns auf den Weg zum Ausgangspunkt der Tour gemacht, die wir am nächsten Tag machen wollten. Dort haben wir bei windstille (am Abend ist der Wind meist weg) gekocht und die Kinder noch schön gespielt und Sammy getroffen, der mit seinen Eltern auch hier auf dem Parkplatz der Hosteria Torres übernachtete. Mit ihnen sind wir dann am nächsten Tag auf die Tour zu den Kammtürmen (Torres del Paine) gewandert. Die Wanderung war mit 4,5h (eine Strecke) ausgeschildert und ich wollte mit Hilda und Jakob umdrehen, wenn die nicht mehr konnten. Wir hätten nie gedacht, dass die beiden den kompletten Weg schaffen würden. Sie haben das aber super gemacht. Hilda hat am Anfang geschwächelt und als sie dann begriffen hatte, dass keiner sie tragen würde, ist sie super mit gewandert. Jakob war fast immer vorn. Sie haben von allen andern Wanderern ganz viel Anerkennung und Bewunderung bekommen. Die Tour war sehr anstrengend, besonders der letzte steile Aufstieg über das Geröllfeld, aber man wird mit einer tollen Kulisse belohnt. Leider ist man mit unzähligen anderen Wanderern unterwegs. Obwohl noch keine Ferien in Chile sind und trotz der Unruhen im Land sind schon sehr viele Menschen im Park unterwegs. Die Infrastruktur ist super und alles ist sehr teuer. Für die Wanderung haben wir uns Sandwiches kaufen müssen, weil wir keine anderen Lebensmittel kaufen konnten und haben fast 10€ für eines bezahlt. Der Campingplatz war völlig überteuert und so sind wir auf dem Parkplatz mit Zugang zu den Toiletten geblieben, den wir aber auch mit 20 €/Nacht zahlen mussten. Zum Duschen sind wir einfach auf den Campingplatz gestiefelt.

Der nächste Morgen war windstill und sonnig und wir haben zusammengepackt und als die Wolken und der Wind die Oberhand bekamen sind wir aufgebrochen, mit dem Ziel wieder die Gze nach Argentinien zu überqueren und zum Perito Moreno Gletscher nach El Calafate zu fahren.

Hier sind wir am Abend angekommen, haben die Wanderklamotten zum Waschen gebracht und uns einen Campingplatz gesucht. Den nächsten Tag haben wir uns ausgeruht. Das Wetter war trocken, aber bewölkt und windig und am kommenden Tag sollte es schöner sein. Dann wollten wir die Tour zum Gletscher machen. Wir sind am 10.12. früh am Morgen aufgestanden, um etwas vor den üblichen Massen am Gletscher zu sein. Es war ein warmer, wolkenfreier Tag. Wir sind ca. 9:00 Uhr vor Ort gewesen und es waren noch nicht zu viele Menschen da. Es war herrlich warm und man konnte viel Zeit auf den angelegten Wegen der kleinen Halbinsel verbringen, von der man ganz unterschiedliche Blicke aus allernächster Nähe zu diesem 5km breiten und ca.18km langen Gletscher hat. Man wartet immer gespannt, dass ein großer Brocken abbricht und ein neuer Eisberg im See entsteht. Auch schon kleinere Abbrüche verursachen unglaubliches Krachen und manchmal kracht es nur im Gletscher ohne, dass man etwas abfallen sieht. Wir haben es einige Stunden dort ausgehalten, bis ein Wind aufkam, der die kühle Gletscherluft zu uns blies. Wir hatten die Jacken im Auto gelassen und sind dann langsam gegangen. Es ist wirklich schwer, sich von diesem Anblick loszureißen. Frank und Freda wollte unbedingt ein größeres Stück kalben sehen, aber es waren immer nur kleine.
Wir hatten großes Glück, überhaupt so ein tolles Wetter zu haben. Ich kann mich an den letzten Besuch erinnern, wo man vor Wind und Kälte es nur kurz vor dem Gletscher aushalten konnte. Leider ist jetzt alles abgesperrt und man kam nicht ans Wasser runter um sich ein Stück Gletschereis aus dem Wasser zu fischen. Wir hatten extra Pisco dabei, der dann doch nicht zum Einsatz kam.
Der Ort El Calafate ist inzwischen relativ groß geworden. Ich hatte ihn als kleines Dorf in Erinnerung. Es ist der letzte große Ort in Argentinien und wir haben am Abend noch einmal richtig viel für unsere Weiterfahrt eingekauft. In Argentinien ist alles um Einiges günstiger als in Chile und außerdem hat Frank morgen Geburtstag….

Heute machen wir uns nun bei Regen auf den Weg nach El Chaltén wo wir den Fitz Roy bewandern möchten. Noch immer begleiten uns Sammy und seine Eltern.

Ganz liebe Grüße in den heimischen Advent, der an uns hier fast unbemerkt vorüber geht. Freda hat ab und zu Heimweh, vor allem nach Kerzenschein und Gemütlichkeit, aber sonst vermissen wir das gar nicht :-).
ren



Rada Tilly / Argentinien, 30.11.2019

Nun fahren wir entlang der argentinischen Atlantikküste weiter gen Süden. Der Computer ist aufgeladen und ich sitze auf dem Beifahrersitz und schreibe wieder. Frank hat Mühe, das Lenkrad in der Hand zu behalten. Der Wind pfeift stark von der Seite und der große Bus bietet viel seitliche Angiffsfläche. Wir fahren hart am Wind :-).  Sonst ist die argentinische Pampa sehr öde. Soweit das Auge reicht Gras und niedere Büsche durchzogen von dieser einen Landstraße. Ab und zu steht ein - meist verlassenes - Gemäuer.  Das spannendste sind die Wolkenformationen am Himmel. Der scheint ewig weit und endlos. Leider hängt in den Büschen am Straßenrand auf der ganzen Strecke viel Plastik, besonders Tüten. Besonders schlimm ist es in der Nähe größerer Ortschaften. Manches holt sich der Wind allein, aber sicher wird noch Vieles achtlos weg geworfen.

Nach einer anstrengenden Fahrt sind wir am Abend in Comodoro Rivadavia angekommen. Eine Stadt, die direkt am Meer liegt und wo Öl eine große Rolle zu spielen scheint. Sie lädt nicht wirklich zum bleiben ein. So sind wir gleich noch ein kleines Stück südlicher nach Rada Tilly gefahren, wo es einen Campingplatz gibt. Der Ort selber scheint ein Sommerort für wohlhabende Familien zu sein. Viele Häuser scheinen leer zu stehen.

Randbemerkung:

Bitte verzeiht die Fehler. Die Berichte sind quasi zwischen Tür und Angel auf die Schnelle geschrieben.

Peninsula Valdéz/Argentinien,  28.11.2019

Nun sind wir endlich unterwegs. Seit letztem Samstag sind wir direkt über den Andenpass von Currarehue, ca. 1-2 h von Franz entfernt nach Argentinien aufgebrochen. Das Wetter in Chile sollte regnerisch werden und so dachten wir in Argentinien wird es noch ein wenig besser sein. So war es auch aber auch hier, noch in den Bergen war es sehr windig und eher kühl. Die erste Nacht haben wir in San Martin de los Andes verbracht, ein hübscher kleiner Ort in dem Sommer wie Winter viel los zu sein scheint. Im Winter wird hier Ski gefahren. Nach einer leckeren Pizza zu erschwinglichen Preisen für eine Großfamilie haben wir zum ersten Mal alle zusammen in unserem Bus geschlafen. Das hat hervorragend geklappt. Am nächsten Morgen sind wir durch das Gebiet der „7 Seen“ gefahren. Trotz des nicht ganz so tollen Wetters und den tief hängenden Wolken, die den Blick auf die Schneebedeckten Gipfel nicht frei gaben, war es eine wirklich faszinierende Landschaft. Am Abend sind wir in El Bolsón angeommen, wo ein alter Bekannter von Frank aus Kempen ein Hostel betreibt: „La Casa de Odile“. Das Hostel ist sehr schön und die zwei Hektar drumrum sehr schön angelegt und üppig grün. In dieser Jahreszeit blühen überall dort am Wegesrand Lupinen und ich kann gar nicht genug Fotos davon machen. Die Farbtupfer sind wirklich eine Pracht. Leider geben es die Fotos gar nicht in der vollen Pracht wieder.

Wir haben zwei schöne Abende mit Marcel und seiner Freundin Romina verbracht. Am zweiten Tag waren wir am Lago Puelo unterwegs und wollten etwas Wandern, aber das Wetter war kalt und windig und die Wanderung nur kurz. Dafür haben wir uns alle Infos für eine spätere Wanderung zu Lolo besorgt. Mit den Kindern können wir nicht die ganz Strecke wandern und müssen uns ein Stück mit dem Boot fahren lassen und dann wandern. Alternativ müssen wir die Tour von Chile aus machen. Das müssen wir noch sehen. Lustig war es mit dem Parkranger zu sprechen, der viele Leute kannte und neue Infos hatte und dafür nicht so viele Details zum chilenischen Gebiet hatte, wie ich aus meiner früheren Arbeit. Er hat uns sogar angeboten, dass wir unser Auto in der Zeit auch bei ihm stehen lassen könnten, damit es sicher steht. Von Lolo hatte er gehört und er würde ihn gerne persönlich kennen lernen…. Er hatte auch eine abgegriffene alte Karte, die wir seinerzeit im Rahmen des DED-Projektes erstellt haben.

Am Dienstag Vormittag sind wir in El Bolsón aufgebrochen und haben uns spontan, aufgrund des Wetters, dazu entschieden, dass wir zunächst an die Antlantikküste auf die Valdés Halbinsel fahren, um dort evtl. Wale und Orcaa sehen zu können, in jedem Fall aber Pinguine, Seelöwn, Robben, Seeelefanten. Die Fahrt durch die argentinische Pampa war sehr schön, aber auch sehr windig. In einem kleinen Ort „Los Altares“ wollten wir übernacheten, da es langsam dunkel wurde. Wir haben den kommunalen Campingplatz angesteuert. Dieser war zwar mit Duschen und Toiletten ausgestattet, die relativ neu zu sein schienen, aber nicht wirklich brauchbar, weil voller Motten und ohne warmes Wasser. Das es sehr windig war und wir am nächsten Morgen weiterfahren wollten, haben wir ohne große Umstände direkt vor den Toiletten unseren Bus zum Schlafen umgebaut und sind früh schlafen gegangen. Als Frank und ich am nächsten Morgen wach wurden, war es vor 5:30 Uhr morgens . Wir haben uns dann kurzer Hand dazu entschlossen, die Kinder schlafen zu lassen und direkt loszufahren. Die Sonne ging gerade auf. Die Straße war nur spärlich befahren und es gab kaum Ortschaften auf unserem Weg. Aber schon nach wenigen Metern sahen wir die ersten Guanacos (eine Lamaart die in Patagonien frei lebt). Die Kinder waren sofort hell wach und in den nächsten 2 Stunden haben wir wirklich unglaublich viele Tiere gesehen, die wohl alle zu trinken an den Fluß wollten oder von diesem kamen. Als nächstes haben wir Emus (straußenähnliche Laufvögel) gesehen, dann kleine Nagetiere, die wir für Pudus hielten, kleine Perlhühner und immer wieder unzählige Guanacos. Leider haben wir keinen Puma erspäht, aber sicher war auch der unterwegs. Ein totes Gürteltier haben wir am Straßenrand gesehen, leider bisher kein lebendes Exemplar. Die Kinder führten Liste, wieviel von welchen Tieren sie gesehen haben. Sie waren total aus dem Häuschen. Die Fahrt im Bus war angenehm und in dieser spärlich besiedelten Gegend konnte man auch mal während der Fahrt auf der hinteren Liegefläche ausruhen. Die Landschaft war wirklich faszinierend. Wie in einem Canyon, der vor Urzeiten entstanden ist, tauchten immer neue Tafelberge am Horizont auf. Wir fuhren die ganze Zeit entlang eines Flusstales. Ab und zu tauchten einsame Haziendas auf. Die Sonne schien sehr warm, aber sobald man ausstieg blies ein starker kalter Wind.

Gegen Nachmittag kamen wir in Trelew an und haben ein Paar Sachen eingekauft. Puerto Madryn, eine relativ große, nicht besonders schönen Hafenstadt haben wir gar nicht erst angehalten, sondern sind gleich weiter auf die Halbinsel Valdéz gefahren. Die ganze Halbinsel ist ein Nationalpark. An einem Infozentrum haben wir uns informiert und erfahren, dass wirklich noch Wale und Orcas zu sehen sind. Die Orkas (Killlerwale) jagen immer zur Flut, die am Strand liegenden Jungtiere der Seeelefanten. Walbeobachtungstouren kann man täglich zu den verschiedensten Zeiten machen. Die Walsaison sei aber am ausklingen und nicht mehr viele Muttertiere mit Jungtieren in der Bucht. Mitte Dezember endet hier die Walsaison.
In dem überschaubaren sehr touristischen Ort Puerto Pyramides haben wir wieder den Campingplatz angesteuert und sind früh schlafen gegangen, um am nächsten Morgen pünktlich an allen Aussichtspunkten sein zu können.
Wir waren pünktlich vor der Hochflut am richtigen Ort und sahen schon die Orkas in die Bucht schwimmen und die Lage peilen. Man kann nicht alle Ecken überschauen, aber gerade vor uns waren zwei männliche Tiere, von denen eines zu den größten hier gesichteten Exemplaren gehörte (lt. Info der Parkrangerin vor Ort). Sie schwammen eine Weile umher und testeten die verschiedenen Ecken der kleinen Sandbucht vor uns. Das Wasser war noch am steigen. Als es hoch genug war, griffen sie an und wir haben dem grausigen aber faszinierenden Spektakel drei mal zugeschaut. Der Wal schießt auf den Strand, schnappt sich eines der unvorsichtigen Jungtiere und schwimmt zurück in eine tiefere Stelle, wo der Fang dann zwischen den beiden Jägern geteilt wird. Auch Möwen und andere Seevögel sind gleich zur Stelle und stürzen sich auf die Reste des armen Tieres.  Ist alles vorbei, geht es erneut los. Man muß dazu sagen, dass die Jungtiere etwa 2,5 Monate alt sind und schon nach einem Lebensmonat alleine und ohne die Mutter zurecht kommen müssen. Viele wissen von der Gefahr noch nichts und sind völlig ahnungslos oder doch sehr unvorsichtig, wenn sie so am Strand in der Sonne dösen. Sie wähnen sich sicher und bemerken nicht, wie das Wasser steigt. Eine etwas entferntere Kolonie mit erwachsenen Tieren war für die Orkas wohl uninteressant obwohl viel leichter zu erreichen.
Das Spektakel war toll und die Kinder begeistert. Leider sind an dem zweiten Aussichtspunkt an diesem Tag keine Orkas aufgetaucht und wir haben nur die faul in der Sonne liegenden Seeelefanten beobachtet, die sich gelegentlich den kühlenden Strandsand auf den Bauch schaufelten. Auf dem Parkplatz haben wir aber ein lebendes Gürteltier gesehen. Die Kinder haben es - zu meinem Entsetzen - sogar gestreichelt.
Eine kleinere Pinguinkolonie haben wir auch gesehen. Hier leben - wie auch in Chile - die Magelanpinguine.

Im Nationalpark ist am immer auf Schotterpisten unterwegs und man erkennt von weitem, wenn ein Auto kommt oder vor einem fährt. Leider war unser Bus nicht ganz dicht und so mußten wir am Nachmittag erst mal den Staub beseitigen, der von der Hintertür durch den ganzen Bus gezogen war. Frank klebt jetzt immer alles ab, wenn wir auf Schotterpisten unterwegs sein müssen. Es sind oft die schöneren Strecken, aber anstrengend zu fahren.

Gestern Abend haben wir uns dann ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk gemacht und haben eine Walbeobachtungstour gebucht. Ich habe versucht, einen Rabatt auszuhandeln und so haben wir für Hilda und Jakob nichts bezahlten müssen. Insgesamt hat die Tour trotzdem noch 116 € gekostet. Das aber war gut investiertes Geld, denn wir haben wirklich Wale aus nächster Nähe beobachtet und sogar mehrere Sprünge gesehen, einmal von einem Jungtier und zum Schluß noch von einem ausgewachsenen Tier. Letzteres war wohl etwas ganz besonderes, da die Muttertiere am Ende der Saison versuchen, alle Energie zu sparen. Die Sprünge selber dienen der Verständigung. Sicher hatte sie also etwas Wichtiges mitzuteilen ;-). Uns hat es begeistert.
Zu guter Letzt haben wir auf der Damentoilette dann endlich auch noch ein Exemplar der haarigen Tarantula (etwas kleiner als die Vogelspinne) gesichtet.

Bilder posten wir ab jetzt extra (unter Fotos) da des chilenische mobile WiFi hier nicht funktioniert und wir nicht sicher sind, ob wir alle Bilder hochladen können. Sind im Moment an einer Tankstelle mit WLan.

Pucon, 20.11.2019

Einen Bus kaufen bedeutet nicht, diesen auch gleich zu besitzen. Einen Bus zu kaufen, der vorher im Tourismusgewerbe zugelassen war und nun privat genutzt werden soll, ist auch nicht wirklich vorgesehen. Erst mit der nächsten fälligen KFZ-Steuer kann der Bus auf privat umgemeldet werden. Das wäre im März. Da wir aber nun nach Argentinien fahren wollen, müssen wir eine internationale Versicherung, die die Argentinier verlangen, für die Zeit abschließen. Da der Bus aber für Passagiere zugelassen ist, müssten wir dafür eine sehr viel teurer Versicherung abschließen, als für eine private Nutzung. Alle Erklärungen bei Zoll und bei den Behörden dazu führen zu keinem Ergebnis. Also werden wir wohl pokern und die private Versicherung machen und an jedem Grenzübertritt von neuem hoffen, dass wir rüber gelassen werden.
Der Busausbau ist fast abgeschlossen und die Kinder schlafen schon die zweite Nacht im Bus. In zwei Tagen wollen wir aufbrechen. Morgen waschen wir dann noch einmal alle Wäsche und dann hoffen wir, dass unser erster Grenzübertritt klappt. Sonst fahren wir das Wochenende eben endlich einmal in meine alte Heimat nach Puerto Varas.

Letzten Samstag haben Julieta, die Kinder und ich ein Wohltätigkeitsbingo in der benachbarten Mapuche-Gemeinde besucht. Mapuche sind die Ureinwohner dieser Gegend. Dort haben wir direkt den ersten und den letzten Preis gewonnen. Der erste Preis war ein Familienkorb (Grundausstattung), gefüllt mit vielen verschiedenen Nudeln, Reis, 3 kg Zucker, 2kg Salz, Matetee,  Tomatensoßen, Milchpulver, Öl. Das kam uns sehr gelegen! Danach waren die Kinder angefixt, besonders Freda und Emil, die sich gleich noch weitere Bingotafeln geholt haben. Ich war gefordert meine eigene und Hildas Tafel zu kontrollieren und gleichzeitig Freda und Emil die Nummern zu übersetzen. Wenn dann noch irgendjemand am Tisch ein anderes Problem hatte und ich nicht hinterherkam, habe ich gleich Kritik von Freda und Email geerntet.  So ist mir auch der Hauptgewinn am Ende durch die Lappen gegangen und Freda hat mich erst darauf aufmerksam gemacht, als die Nummern verglichen wurden. Dann waren wir der 5. Hauptgewinner und haben uns den Geldpreis mit 4 weiteren Gewinnern teilen müssen (ca. 25€). Es war teilweise richtig spannend! Freda fragte gleich, wann das nächste Bingo ist ;-).

Am Montag hat Julieta uns einen Besuch bei Salus Chile organisiert. Eigentlich werden keine Führungen durchgeführt, aber Julieta hat insistiert und Franks Interesse am Kräuteranbau betont. Dort haben wir vom Geschäftsführer eine kleine Führung durch die Produktionsanlagen bekommen. Sehr nett und vor allem sehr aufgeschlossen, den Kindern gegenüber hat dieser uns empfangen und seine Mittagspause geopfert.  Sehr interessant und viel zu kurz (besonders für Frank) war dieser Besuch. Nach einer Mittagspause in herrlicher Umgebung und mit echtem chilenischen Service (hatte ich verdrängt) haben wir dann weiter Besorgungen für den Bus in Villarica gemacht. Dort kennen wir jetzt fast jede „Ferreteria“ (Eisenwarenhandel), der hier in Chile noch über die Theke funktioniert und sehr zeitraubend ist. Erst steht man an, um zu verlangen was man benötigt, dann bekommt man einen Zettel für die Kasse, wo man erneut anstehen darf bis man sein Geld los wird und dann geht man mit dem Zahlungsbeleg wieder zu einem Mitarbeiter und bekommt die Ware ausgehändigt. An der Parkplatzausfahrt wird man dann neuerlich kontrolliert. So werden hier günstige Arbeitsplätze gesichert. Viele Haitianer sind hier gut beschäftigt und werden scheinbar gerne eingestellt, weil sie wohl kommunikativ und zuverlässig sind. Bilder vom fertigen Busausbau gibt es dann in Kürze.

Palguín/ Pucon, 14.11.2019

Wir haben einen Bus! Einen Sprinter 413 cdi und zwar seit gestern. Wir haben geschlagene 4 Stunden auf dem Notariat, der Zivilregister und der Bank in Valdivia zugebracht und dann endlich am Nachmittag den Schlüssel und den Bus übergeben bekommen um damit nach Pucon zu fahren. Sehr umständlich so ein Autokauf. Nun läuft der Wagen noch mindestens einen Monat auf den Namen des Vorbesitzers, der uns dann notariell auch ein Schreiben ausstellen musste, dass wir damit in Chile und nach Argentinien fahren dürfen. Das Nummernschild behält der Wagen sein Leben lang.

Heute morgen mußten wir feststellen, dass es reinregnet. Vermutet hatten wir das schon bei der Besichtigung, aber das wurde als Kondenswasser der Klimaanlage abgetan. Das Leck liegt auf dem Aufbau für die Kühlanlage und ist geortet und sollte sich auch beheben lassen. Heute haben wir alle (die Kinder wollten alle mit Lappen und Schwämmchen mithelfen) geputzt und gewienert und Frank hat heute morgen schon Material besorgt und heute Abend bereits einen Teil Fußboden eingebaut.

Morgen wird weiter gebaut und wir sind guter Dinge nächste Woche irgendwann losfahren zu können. Zumindest passen wir jetzt wieder in ein Fahrzeug.

Heute war wieder ein Regentag, nachdem es jetzt fast 2 Wochen lang trocken und warm war, aber morgen soll es schon wieder trocken sein.

Übrigens haben wir in Valdivia und unterwegs überall die Überreste von Straßensperren und die Brandflecken auf dem Asphalt gesehen. Einige Tankstellen und Läden von großen Ketten waren geplündert worden und mit Blech verschlagen. In der Innenstadt von Valdivia sind viele Geschäfte, Banken und Die Läden der Telefongesellschaften verrammelt und verschlagen. Meist ist dann an der Seite nur eine Tür auf, wo ein Türsteher den Eintritt kontrolliert. Aber unser Weg war gestern frei und wir hatten keine Probleme durch zu kommen.

In einem Baumarkt, wo wir dann noch schnell einkaufen wollten, wurden wir dann nach kurzer Zeit darauf hingewiesen, dass dieser nun schließt und wir leider gehen müssten. Das wird Tag zu Tag immer nach den aktuellen Vorfällen entschieden. Viele Supermärkte öffnen nur noch vormittags bzw. schließen am frühen Nachmittag, weil dann die Plünderungen wahrscheinlicher werden.  Wenn man etwas erledigen möchte, sollte man das in diesen Tagen immer auf den Vormittag legen, da man am Nachmittag nie weiß, was passieren kann. Kürzlich war auch zwischen Pucon und Villarica eine Straßensperre und sämtliche Straßenlaternen sind abmontiert worden. Davon haben wir aber nichts mitbekommen, hier auf dem Campo.

Die Chilenen diskutieren jetzt darüber, wie eine neue Verfassung entstehen soll. Die bisherigen Parlamentsmitglieder möchten natürlich selbst den Entwurf erarbeiten. Dazu hatten sie jetzt aber viele Regierungsperioden Zeit und es ist nichts geschehen, daher ist es auch sehr fraglich, wieviel sich dann dabei ändern wird. Außerdem würde es wohl Ewigkeiten dauern, da immer eine 2/3 Mehrheit gefunden werden müsste, was eher unwahrscheinlich ist. Es gibt auch die Möglichkeit, dass eine Kommission aus den verschiedensten Interessengruppen zusammengesetzt, eine neue Verfassung entwirft. Das will aber die Regierung nicht. Es gibt auch noch eine dritte Möglichkeit, die ich aber jetzt nicht kenne. In jedem Fall soll die neue Verfassung dann durch eine Volkabstimmung bestätigt werden. Aber so lange man darüber debattiert, so lange werden wohl die Proteste weiter gehen.


Palguín/Pucon, 12.11.2019

Eigentlich wollte ich erst wieder schreiben, wenn wir einen Bus gekauft haben. Leider zieht sich das nun wohl aufgrund der Streiks weiter hin. Der öffentlich Dienst streikt und dann kann man die notwendigen Formalitäten nicht erledigen.

Gestern waren Frank und ich wieder einen Tag unterwegs, um verschiedene Autos anzuschauen, die alle nicht in unmittelbarer Nähe sind, und haben tatsächlich einen Sprinter gefunden, für den wir das geforderte Geld bezahlen würden und der in einem ordentlichen Zustand ist. Leider hat der heutige Nationalstreik und einen Strich durch den Kauf gemacht un ich hoffe, der Verkäufer bleibt bei seiner Zusage. Morgen wird es auch nicht gehen, da Franz für sein neues Auto die Nummernschilder in Temuco abholen muß. Aufgrund der Situation können die auch nicht geschickt werden. Dadurch verschiebt sich unser Kauf wohl auf Donnerstag, wenn dann alle notwendigen Formalitäten erledigt werden können - sonst erst auf den kommenden Montag.

So langsam zermürbt uns das ein wenig. Wir möchten gerne starten....

Am Sonnstag haben wir schön Emil´s 9. Geburtstag gefeiert. Er hatte sich einen Vulkankuchen gewünscht, was sich leicht umsetzen ließ. Julieta hat ihm einen wunderschönen Geburtstagstisch bereitet und wir haben schön gefrühstückt und sind dann zu einem nahe gelegenen Wasserfall gefahren  und haben nahe Thermen besucht. Anschließend wurde hier Liverpool geg.Manchester City geschaut und dann lecker Kuchen und Torte gegessen. Abends haben wir noch gegrillt.  Es war der wärmste Tag, den wir bisher hatten mit 27°C und nur Sonnenschein. Traumhaftes Novemberwetter.

Diesen Tag wird er wohl nie vergessen. Ganz lieben Dank allen Gratulanten auf den verschiedenen Kanälen.

Palguín/Pucon, 7.11.2019

Vielen Lieben Dank für Eure Grüße und Wünsche im Gästebuch! Wir freuen uns sehr über Lebenszeichen von Euch! Emil hat sich sehr über die Grüße der 3b gefreut und schickt dieses Foto mit dem Vulkan Villarica im Hintergrund. Wir werden auch noch eine Seite für Freda und Emil einrichten, wo beide selbst schreiben können.


Heute haben wir endlich mobiles Internet. Das ist auch alles nicht so einfach hier, aber wenn man dann mal Internet hat bzw. wenn man einen Vertrag abschließt, der wie bei uns meist über 2 Jahre läuft, dann bekommt man zw. 20 und 40 GB pro Monat! mit dem Vertrag. Davon können wir nur träumen.Auto hat nur Franz sich heute eines gekauft. Wir leider noch nicht. Der Bus, den wir gesehen haben, hat 660.000km runter und es leuchten Lämpchen im Diplay, so dass wir den erst einmal einer Werkstatt vorstellen müssen, um sicher zu gehen, dass alles in Ordnung ist. In der Zwischenzeit sehen wir nach weiteren Autos, die dann wieder 3 h in der entgegengesetzten Richtung zu besichtigen sind. Wir wollen aber endlich auf Reisen gehen und werden langsam unruhig. Schade, dass wir in Santiago nicht nach einem Auto sehen konnten. Das wäre unter normalen Umständen viel einfacher gewesen, als hier im Süden. Jetzt ist das leider gar nicht möglich.


Dafür bleibt das Wetter jetzt beständig. Es ist herrlich warm und sonnig und der Vulkan grüßt uns jeden morgen mit einer dünnen Rauchfahne. Die Kinder bauen sich Baumhütten (am Boden) und würden den ganzen Tag so verbringen, müssten sie nicht ab- und zu Schularbeiten machen.


Villarica, 4.11.2019

Heute gibt es ein paar neue Bilder von einem kleinen Ausflug an die argentinische Grenze, ca. 1 h von hier. Leider war es so windig und eiskalt, dass wir nur eine kleine Tour in einem windgeschützen Pfad machen konnten und unser Picknick im Auto essen mussten. Trotzdem war es toll und es gibt eine tolle Wanderung, die man von hier unternehmen kann. Vielleicht schaffen wir sie, wenn es wärmer wird. Der Vulkan - direkt an der Grenze zu Argentinien heißt - Llanín. Zusammen mit den Araukarien (neben den Alerce  zu den ältesten Baume Chiles und der Welt) meint man, man wäre in einer anderen Zeit. Diesen Pass werden wir auch auf unserer ersten Tour passieren und dann auf der argentinischen Seite gen Süden fahren.


Es sieht so aus, als würden wir unseren Bus nicht vor Donnerstag kaufen können, da wir den Kauf über Franz abwickeln müssen, da wir keine Sozialversicherungsnummer haben. Der Kauf würde so wohl Wochen dauern. Franzkann leider erst am Donnerstag nach Temuco fahren. Dort steht der Bus, der es jetzt werden soll.


Von dem Erdbeben letzte Nacht haben wir nichts mitbekommen :-). Wir hoffen, dass nicht auch noch die Pacha Mama rebelliert hier in Chile.


Pucón, 2.11.2019
Letzten Mittwoch haben wir einen Bus begutachtet, den Frank und Franz eigentlich gleich kaufen wollten. Franz´s Werkstatt hier hat ihn auch begutachtet und gesagt, dass er in Ordnung ist. Leider konnten wir an dem Tag nicht mehr die notwendigen Papiere besorgen bzw. Er musste noch einmal zur Gemeinde, um sich ein Papier zu holen und deswegen und wegen der Feiertage kann der Kauf nun erst am Montag stattfinden - wenn wir nicht bis dahin noch ein anderes Auto entdecken. Also heißt es weiter ausharren und uns geht es ja nicht schlecht in der Cabaña von Franz und Julieta. Sie ist sehr schön geräumig. Um die Ecke gibt es eine kleine Küche und über den Gang das private Bad. Es gibt Feuerholz und einen kleinen Ofen, mit dem man den Raum wunderbar war bekommt.

Am Donnerstag bin ich mit Julieta und den Kindern an den etwas kleineren See Caburga gefahren und haben dort die Sonne am Ufer genossen. Wenn sie einmal scheint, ist sie sehr intensiv und man muß sich in Acht nehmen. Das Wasser des Sees ist aber noch eiskalt. Die Kinder haben den ganzen Nachmittag wunderschön Eidechsen in den Steinen gesucht und ihnen Gärten und Höhlen gebaut. Leider hat Emil einen der größeren Steine auf seinen Zeh fallen lassen und humpelt nun. Das kalte Wasser war dann eine sehr willkommene Kühlung, um den ersten wirklich starken Schmerz zu lindern.  Die Fahrt dahin dauerte ca. 30/40 Minuten. Leider wird überall entlang der Straße gebaut, kleinere und größere Objekte. So dass es sehr voll ist überall und nicht mehr wirklich schön.
An diesem See haben übrigens der chilenische Präsident Piñera und die Ex-Präsidentin Bachelet nicht weit voneinander entfernt Ferienhäuser.

Nach einem weiteren sehr verregneten Tag gestern, an dem wir wirklich gar nichts außer Essen, Schule und Spielen mit den Kindern gemacht haben, ist heute wieder strahlender Sonnenschein und kein Feiertag. Jetzt fahren wir nach Pucón und kaufen die ersten Sachen ein, die wir für den Ausbau unseres Autos brauchen werden. Außerdem brauchen wir wieder Nachschub an Nahrungsmitteln und wollen Euch ein paar Fotos schicken.



Palguin bajo/Pucón, 30.Oktober 2019



Seit gestern Vormittag sind wir bei Franz auf dem Campo in der Nähe von Pucón. Gestern hat es Bindfäden geregnet und wir konnten uns von der 14 stündigen (!) Busfahrt erholen. Sie hat länger gedauert, als erwartet. Es gab mehrere Staus wegen den Unruhen kurz hinter Santiago.

Franz´s Haus hier auf dem Campo ist sehr schön und gemütlich. Hier wurden wir von Julieta mit einem sehr leckeren und reichhaltigen Frühstück empfangen und die Kinder fanden auch den Regen gar nicht schlimm und haben draußen gespielt. Gummistiefel und Matschklamotten haben wir natürlich dabei. Heute morgen haben uns die Vögel geweckt. Die Wolken hängen noch in den Bergen und so langsam lüften sie den Blick in die Umgebung und die Kinder sehen zum ersten mal den Vulkan Villarica. (Bild) Es soll ein strahlend sonniger Tag werden. Jakob war schon ganz früh wach und wollte natürlich sofort nach draußen - zu den Hunden. Franz, Frank und ich fahren gleich nach Pucon, wo wir hoffentlich Internet haben werden, um Euch diese Zeilen zu schicken und auch nach einem Auto schauen und einkaufen wollen.



Gut gelandet in Santiago de Chile

Wir sind nun vor ein paar Stunden gut in Santiago de Chile gelandet. Der Flug und die Gepäckaufgabe verlief mehr oder weniger problemlos. Wir haben wirklich viel zusätzliches mitgenommen und das Gepäcklimit nur in zwei Koffern erreicht. Die anderen waren vom Volumen einfach zu klein.

Das Umsteigen in Madrid gestaltete sich doch sehr hektisch, weil wir mit unserem recht umfangreichen Handgepäck sehr weit laufen mussten und dann noch den schlafenden Jakob über der Schulter hängen hatten, der nur vorgegeben hat zu schlafen, damit er getragen wird. Das haben wir dann erst später gemerkt….

Der Flug von Madrid nach Santiago war aber anstrengend für alle, da wir keinen zusätzlichen freien Sitzplatz zum Schlafen in unserer Nachbarschaft hatten und 13,5 Stunden sind dann doch eine Ewigkeit. Auch unser Gepäck war pünktlich und unversehrt angekommen und die diversen Kontrollen haben wir auch alle ohne Zwischenfälle hinter uns gebracht.

Am Flughafen in Santiago hat uns Franz empfangen und er hatte auch schon den Weitertransport in die Stadt mit dem öffentlichen Bus organisiert, so dass wir ohne Verzögerung dann hier im Zentrum angekommen sind. Damit sich die Kinder von den Strapazen erholen können, haben wir für ein paar Stunden ein Zimmer im IBIS Hotel gegenüber dem Busbahnhof genommen. Frank und Franz sind gleich los, um Geld zu tauschen und dieses dann auf Franz Bankkonto einzuzahlen. In einigen Läden verhandelt man da den Umtauschkurs im Separet und ich habe gerade erfahren, dass er top war. So eine kurze Revolte hat auch Vorteile für Reisende…..

Auf den Straßen ist alles wieder normal. Man sieht Polizei, aber Militär habe ich noch nicht gesehen. Die Ausgangsperre ist auch aufgehoben. Während ich diese Zeilen schreibe sitze ich hier mit diesem Blick auf das Busterminal und die dahinter liegenden relativ neuen Wohnsilos.


Das Stadtbild verändert sich. Auch merkt man die vielen Immigranten aus Peru, Kolumbien, Bolivien, Venezuela und Haiti. Es sollen schon eine Millionen sein, dabei hat das Land nur ca. 17,5 Mio. Einwohner.  

Aber wirklich viel habe ich auf der kurzen Fahrt hierher noch nicht gesehen. Frank und Franz haben dagegen im Zentrum Absperrungen und Barrikaden gesehen. Sie wollten auch kurz etwas Essen, da zog schon Tränengas in Restaurant und die Metro, die sie auf dem Hinweg noch benutzen konnten, war auf dem Rückweg geschlossen, weil wieder eine Demo stattfand. Auch Wasserwerfer wurden eingesetzt. Die beiden haben sich dann schnell wieder auf den Rückweg begeben und sagten, dass zwei Straßen weiter schon nichts mehr von der Demo zu spüren war.

Heute Abend 20:30 Uhr geht es weiter nach Pucón im Schlafbus direkt von gegenüber.


Das Warten hat ein Ende…..

Die Kinder haben sich gestern schon mal in Street Art geübt..... 

Und morgen geht es endlich los. Nach den jüngsten Unruhen in Chile haben wir das Angebot von Iberia genutzt und den Flug um ein paarTage nach hinten verschoben. Nun fliegen wir morgen Abend 19:55 Uhr von Düsseldorf nach Madrid und von dort gegen Mitternacht weiter nach Santiago de Chile, wo wir um 9:25 Uhr Ortszeit landen werden. Dort werden wir von Franz erwartet. Am frühen Abend werden wir dort einen Nachtbus Richtung Süden nehmen und am Dienstag dann bei Franz und Julieta in der Nähe von Pucon sein.